Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 8 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 ausspricht, daß der Inhalt der Harnack'schen Vorlesungen „durch das Zurücksinken auf den oberflächlichen Standpunkt eines überwundenen Rationalismus, wie durch das Zurückstellen des nach Schrift und Geschichte wesentlichen des Christentums weder dem historischen Verständnis, noch dem wahren Evangelium, noch dem menschlichen Bedürfnis genügt." Dann bezeugt die Konferenz „mit den Reformatoren und den Gläubigen aller Zeiten, die durch die Rraft des heiligen Geistes geredet haben, daß Ehristus, der Sohn Gottes, in unzerreißbarem Zusammenhangs mit dem Evangelium im Worte Gottes, der Herzpunkt des Lhristentums bleiben muß." Endlich erneuert sie das Bekenntnis: „Ich glaube an IEsum Ehristum, Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn." Aer ZSerg der 1000 Huessen. So heißt der Bingöl-Dagh, der südlich von Lrserum liegende Gebirgsstock, welcher die Stromgebiete des Araxes, des Luphrat und des Murad speist. So könnte auch die heilige Schrift heißen. Aber wie jene Stromgebiete jetzt trotz der wasserfülle dürre Steppen, kahle und entwaldete Bergrücken aufweisen, weil die Wassergräben verschüttet, die Wasserräder zerfallen sind: so herrschen in den Ländern, welche die Bibel besitzen, vielfach Un- und Aberglaube, Sünden- und Satansdienst, weil man das Wasser des Lebens nicht in das einzelne Menschenleben hineinleitet. „Ich denke noch an den Abend," schreibt vr. Lexsius, „wo wir in die Gärten der Stadt Tarsus einritten und unter Jasmin- und Orangenduft tiefe Orgeltöne an unser Ohr klagen. In Antiochia war es dieselbe wundersame Musik, die uns begrüßte, wie beunisch müssen dem Apostel Paulus diese Töne geklungen haben: die tiefen Orgeltöne der Wasserräder! vielleicht, wenn wir helfen, daß sich die Wasserräder und Schöpfeimer an dem Strome der Gnade in Bewegung setzen, daß die liefen Harmoniken auch an unser Ohr klingen." Im Orient und im Gceident sollten wir im Dienst des göttlichen Wortes fleißig an der Arbeit sein, um Kanäle zu graben, Wasserräder zu bauen und Schöpfeimer daran zu hängen. Dann müßte die Klage über die Austrocknung, Verödung und Verarmung des innern Lebens mehr und mehr verstummen. ZU Ns. 37, 5. Liner armen Witwe, die fünf Kinder zu versorgen hatte, träumte, sie säße am Fenster ihrer Wohnung und strickte. Da fährt ein vierspänniger wagen vor, der mit schimmernden Goldstücken beladen ist. Lin vornehmer, schwarzgekleideter Herr steigt aus, begrüßt die Witwe und sagt zu ihr: „Ich möchte einen Handel mit Ihnen abschließen. Sie sollen meinen ganzen Goldwagen haben, wenn Sie mir erlauben, aus Ihrer Bibel einen Spruch, ps. 37, 5, herauszuschneiden." Mit diesen Worten ergreift der Fremde das heilige Buch und setzt die Schere an. Aber die Witwe, deren Leib- und Lieblingsspruch jener Vers ist, und die denselben um die ganze Welt nicht hergeben, überhaupt von der heiligen Schrift sich nichts rauben lassen will, entreißt ihm die Bibel. In demselben Augenblick verschwinden der schwarze Mann und sein wagen. Die Witwe erwacht. Ls ist ihr zu Mut, als hätte sie einen Sieg errungen. Gleich darauf kommt ein wirklicher wagen, ein Postwagen, vor ihr Haus. Der Postbote bringt ein großes Packet, welches allerlei nützliche Sachen, auch Kleider für die Kinder, enthält. Außerdem liegt darin ein Schreiben mit einem großen Goldstück. Der Fabrikbesitzer, bei dem der verstorbene Mann der Witwe tö Jahre lang gearbeitet hat, teilt dieser mit, er werde sie fortan regelmäßig unterstützen, bis ihre Kinder imstande seien, etwas zu verdienen. Ps. 37, 3 hatte sich wieder einmal bewahrheitet. Zum Nachdenken. Mit tiefem, geheimem Schauder blicke ich oft auf das beispiellos trauervolle Schicksal des israelitischen Volkes, auf welchem seit nahezu 2 Jahrtausenden ein