Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1901-01-01 · 8 (1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
8 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2554541-2555102-2555110--10159-2566388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

61 Bei Gelegenheit des Religionsunterrichts, den B. an einer höheren Lehranstalt in Graudenz ertheilte, lernte er einen christlichen Prediger kennen. Hierzu kam, daß er eine Zeitlang im Hause eines christgläubigen Israeliten wohnte. Er besprach mit diesem, manchmal religiöse Fragen. Auch las er die von dem proselyten ihm geliehenen Rrummacherschen predigten über den Propheten Glia. So empfing der jüdische Theologe mancherlei christliche Anregungen. Bald brachte ihn die Beschäftigung mit dem Neuen Testament zu der Überzeugung, daß IGsus der Messias ist. Jetzt blieb ihm, dem gewissenhaften Manne, nichts übrig, als sein Amt niederzulegen. Tr siedelte mit seiner Familie nach Berlin über. In dieser Stadt nahm sich der Porträtmaler und IudennMionar Iacobsohn des ehemaligen Rabbiners in der liebreichsten Meise an. Iacobsohn, selber einer der besten Lhristen aus Israel, bewog auch den oben erwähnten Graudenzer proselyten, in Gemeinschaft mit andern dem neuen Glaubensbruder thalkräftig zu helfen. Am 2. August ^860 wurde B. in der Berliner Matthäikirche von Generalsuperintendent Büchsel getauft. Seine Paten waren der Landtagsabgeordnete v. Aleist-Retzow und Professor Hengstenberg. Erst später traten auch die übrigen Familienglieder zur Rirche über. Mit einem Empfehlungsschreiben der preußischen Aönigin Elisabeth versehen, ging B. nach London. Er fand hier in Verbindung mit der Britischen, sodann mit der Londoner Iud<nmissionsgesellschaft vielfache Gelegenheit, von der erkannten Wahrheit vor Israeliten Zeugnis abzulegen. Jahrelang unterrichtete er auch die Zöglinge des Missionsseminars der L. I.-M. hu Rabbinischen. Zuletzt erlag er einem Lungenleiden. Bei seinem Tode, der am 5. März eintrat, zeigte es sich, daß er unter den Londoner Israeliten, in deren Mitte er HO Jahre lang als Missionar thätig gewesen war, große Beliebtheit erlangt hatte. Namentlich genoß er das Vertrauen der bessergestellten Juden. Ein anglikanischer Prediger schrieb nach dem Hinscheiden dieses Iudenchristen: „Ich bewunderte Dr. B. wegen seiner großen Gelehrsamkeit und Frömmigkeit." Harnacks „Wesen des Christentums" hat auch in jüdischen Kreisen unverdiente Beachtung gefunden. Das aus Vorlesungen erwachsene Buch richtet sich selbst durch den Satz: „Nicht der Sohn, sondern allein der Vater gehört in das Evangelium, wie es IEsus verkündigt hat, hinein." Jeder Renner des Neuen Testaments, der von der Seuche der Hyperkritik noch nicht oder nicht mehr befallen ist, muß hierin eine Geschichtsfälschung erblicken. Ausführliche Widerlegungen des ganzen Machwerkes, welches uns Mat. \8f 7 ins Gedächtnis ruft, haben Airchenrat O. Rupprecht und Professor D. Walther (bei Bertelsmann, Gütersloh, bez. A. Deichert, Leipzig) veröffentlicht. Am 5. Juni d. Is. übte Professor V. Raehler vor der Berliner pastoralkonferenz an Harnacks Aufstellungen eine vernichtende Kritik aus. Die Konferenz vereinigte „sich nach Kaehlers Vortrag zu einer Erklärung, in welcher sie ihre Überzeugung dahin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.