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Dibre Emeth · 1901-01-01 · 8 (1901) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
8 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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60 Ritzungen an der Haut beibrachte. Natürlich darf man derartige Vorkommnisse der jüdischen Religion nicht zur Last legen. Die Behauptung vieler Antisemiten, daß es einen Ritualmord innerhalb des Judentums oder doch bei einzelnen jüdischen Sekten gebe, ist eine Lüge. Sie wurde von Professor Strack in seiner bereits achtmal gedruckten Schrift über den Blutaberglauben gründlich widerlegt. Ein anderer christlicher Gelehrter, der für die angegriffene Ehre des Judentums kämpfte, der selige Franz Delitzsch, nannte die gegen dasselbe erhobene Blutbeschuldigung eine Gottesgeißel. Jene Anklage ist ein Teil des Strafgerichts, den das arme, verblendete Israel am Todestage seines größten Sohnes auf sich lud, indem es diesen, JEsum, verwarf und ausrief: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Es war Aberglaube, wenn die Häupter Israels meinten, die Apostel vermöchten JEsu Blut auf sie zu bringen (Apg. 3, 28). Dagegen hat derjenige Glaube zureichende Gründe, welcher Gott als den Bluträcher JEsu bekennt. Möchte es dem Richter bald möglich sein, den Fluch in Segen zu verwandeln! Das Volk, welches einst die volle Verantwortung für die Hinrichtung des HEilands auf sich nahm, in Wahrheit aber unverantwortlich handelte, kann nur dann von dem auf ihm lastenden Banne befreit werden, wenn cs seinen Frevel bereut und das auf Golgatha vergossene Blut als das von Gott für alle Sünder verordnete einzige Sühn- und Reinigungsmittel anwendet. Weg vom Aberglauben! Hin zum wahren Glauben! Dieser Ruf thut Ehristen und Israeliten not. Vor allem soll jeder Mensch den suchen, der mit seinem eigenen Blut eine ewige Erlösung erfunden hat (Hebr. 9, \2). Und wer mit ihm verbunden ist, führe ihm andere zu. Kann schon ein Rind zur Verbreitung richtiger Erkenntnis beitragen: wieviel mehr kann ein Erwachsener thun, um irrende Mitmenschen zu erleuchten und für die Wahrheit zu gewinnen! vr. Paul Vendir. Dieser als Thrist gestorbene ehemalige Rabbiner erblickte am 29. August s82Z zu Rummelsburg in Pommern das Licht der Welt. In der christlichen Schule, die er hier besuchte, rührte ihn die Geschichte der Kreuzigung des HEilandes zu Thränen. Als aber seine Eltern JEsum für einen Irrlehrer erklärten, schwanden bald alle guten Eindrücke, die der Knabe empfangen hatte. Im Alter von s? Jahren ging er nach Danzig, um jüdische Theologie zu studieren. Eine schwere Krankheit unterbrach jedoch seine Studien und nötigte ihn zur Rückkehr in die Heimat. Nach seiner Genesung bezog er die Universität Berlin. J850 erwarb er sich hier die Doktorwürde in der philosophischen Fakultät. Er wurde dann Rabbiner in Berent und später in Graudenz. Sein Wunsch, den Gottesdienst der Synagoge zu reformieren, stieß in Graudenz auf heftigen Widerspruch. Im übrigen schätzte man ihn hoch. Als er s858 nach vierjährigem Wirken von Graudenz schied, bezeugte ihm der jüdische Gemeindevorstand, daß seine Predigten lehrreich und erbaulich gewesen seien. Zugleich rühmte man die glänzende und fesselnde Art des Vortrags.

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