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Dibre Emeth · 1901-01-01 · 8 (1901) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
8 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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59 endlich in die Gralsburg gelangte Blut des Golgathaopfers. Innocenz III. aber ließ (2(5 ^ie noch viel verhängnisvollere Lehre feststellen, daß auf jedem Altar beim Meßopfer infolge einer Verwandlung der Stoffe wie der wirkliche Leib so auch das wirkliche Blut des verklärten Erlösers, also der Gral (sang real) in höherem Sinne, zu finden sei. Jeder Renner der Rirchengeschichte weiß, wie die hiermit dem Blutaberglauben geöffnete Thür dadurch keineswegs wieder geschloffen wurde, daß Rom in der Folgezeit den Laien den Altarkelch vorenthielt und ihnen nur noch die Hostie reichte. Unter dem an das angebliche Blut Lhristi anknüpfenden Aberglauben halten die Israeliten oft schwer zu leiden. Daß sich auch bei diesen ein mannigfach gestalteter, wenn auch dem christlichen an Umfang nicht gleichkommender Blutaberglaube eingenistet hat, ist auf dieselben heidnischen Einflüsse zurückzuführen, denen viele Ehristen erlagen. Das mosaische Gesetz verbot den Genuß des Blutes von Tieren, weil Gott dasselbe zur Sühne für den Sünder auserkoren hat, desgleichen jeden Mord, auch den aus religiösen Beweggründen erfolgenden, also jedes Menschenopfer (3. Mose (7. (8. 20; 5. Mose (2). Der große Maimonides verlangte sogar, daß Blut, welches beim Esten von Brot etwa aus dem Zahnfleisch auf dasselbe gekommen sei, abgekratzt werden müsse und nicht genossen werden dürfe. Die Furcht vor Blutgenuß wird dem Israeliten anerzogen. Sie giebt sich noch heutzutage darin zu erkennen, daß er für völlige Blutleere der Schlachttiere sorgt. Sie zeigt sich auch in dem Gesetz von der Belegung alles Flüssigen mit Eisenstücken: die aus der Luft fallenden Blutstropfen sollen hierdurch ferngehalten werden. Trotz alledem ist der Blutaberglaube an Israel nicht spurlos vorübergegangen. Anstelle der vorgeschriebenen Tieropfer, die seit dem Jahre 70 n. Ehr. nicht mehr dargebracht werden können, übernehmen Hähne und Hennen (womöglich weiße) die Entsündigung: sie wurden und werden teilweise auch jetzt noch am Tage vor Jom Aippur als Heilsmittler geschlachtet. Mit Tierblut hofft man auch böse Geister abwehren zu können. In einem jüdischen Hause in Jerusalem sah jemand ein Anäblein, dessen Stirn mit Blut bedeckt war. Die Mutter des Rindes erzählte, sie habe sich von einem Schlachtplatz am Damaskusthor Blut holen lasten, um ihrem Sohne allemal etwas auf die Stirn zu streichen, sooft er schlafe und allein sei. Sie meinte: „Dann können die bösen Geister nicht unter dem Fußboden hervorkommen und ihm ein Leid anthun." Zum Tierblut gesellte sich das Menschenblut: das Blut von Juden und Nichtjuden. Bei Beschneidungen wuschen sich jüdische Jünglinge an einzelnen Orten mit dem Master, in welches das Beschneidungsblut gefallen war, während die Beschneidung anderswo über Erde oder Sand geschah. Der medizinische Aberglaube betreffs der Heilkraft des menschlichen Blutes fand \QQ2 in dem jüdischen Leibarzt von Papst Innocenz VIII. einen Vertreter. Religiöser Blutaberglaube zeigte sich noch (889 darin, daß ein Breslauer Rabbinatskandidat, zu dessen Verwandten sieben Irrsinnige zählten und der selbst geistesgestört war, zuerst zwei jüdischen, dann einem christlichen Rnaben

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