Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 8 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 mit welcher wir uns heute beschäftigen wollen, den Zorn und den haß aller Freunde Gottes heraus. Der ältesten Christenheit war jede Gemeinschaft mit Blut ein Greuel (Apg. f5, 20. 29; \<ä, H). Erst vom 5. Jahrhundert an kam wenigstens im Abendland der Blutgenuß wieder in Übung. Im Morgenland vermeidet man ihn bis auf den heutigen Tag. Leider drang aber bald auch der überwundene heidnische Blutaberglaube wieder in die Rirche ein. Alan wandte Tierblut nicht nur als Arznei, sondern als Opfer an. Lehr beliebt waren bei unseren Vorfahren Bauopfer bei der Errichtung von Häusern, Deichen und Brücken. In einigen Gegenden Ostpreußens wird bis zum heutigen Tag ein solches Opfer dargebracht, indem man ein geschlachtetes Tier, z. B. ein Huhn, durch ein neuerbautes Haus trägt, ehe dies bezogen wird. In anderen Teilen derselben Provinz begnügt man sich damit, als Anglücksableiter eine lebende Ratze oder einen Besen in das neue Haus zu werfen. Aber auch Menschenblut, mit dem man sich bestrich oder wusch oder badete, oder das man trank, wurde dem Aberglauben dienstbar gemacht. Alan gebrauchte zu diesem Zweck das eigene Blut und das Blut anderer, sowohl lebender als getöteter Menschen. Jungfrauen- und Rinderblut galt im christlichen Mittelalter wie im egyptischen Altertum als Heilmittel gegen den Aussatz, wie z. B. „Der arme Heinrich" von Hartmann von der Aue und „Das Buch von den sieben weisen Meistern" bekunden. Dem Iungfrauenblut traute man auch die Fähigkeit zu, den Rämpfer gegen hieb und Stich zu sichern und eine Feuersbrunst zu löschen. Furchtbare Verbrechen gingen aus dem Mahn hervor, daß dem Menschenblut eine besondere Ära ft innewohne. Am widerwärtigsten berührt hierbei der Mißbrauch der christlichen Religion bei gewissen Gnostikern des zweiten und dritten, sowie bei russischen Sektierern des $. Jahrhunderts. Auch bei den Bauopfern, deren wir schon gedachten, wurden neben Tieren Menschen dem Aberglauben zum Opfer gebracht, letztere vielfach sogar lebendig eingemauert, worauf z. B. das neuerdings in der Brandmauer eines Berliner Hauses (Neue Friedrichstr. 86) aufgefundene Gerippe eines Rindes hinweist. Mehr noch als das Blut gewöhnlicher Menschen schien dasjenige von Verbrechern und von Märtyrern wirksam zu sein. Dies Blut wurde bei den Hinrichtungen in Tüchern oder Gefäßen aufgefangen, um als Heilmittel gegen die Fallsucht, als Glücksspender für Haus und Geschäft benutzt zu werden. Wenn auch die sog. Blutgläser der Ratakomben in Rom nicht Märtyrerblut, sondern Abendmahlswein enthalten und das Verbot der im Jahre 3Y7 stattgehabten Synode von Rarthago, den Toten die Abendmahlselemente ins Grab zu legen, erklären können, so ist doch nicht zu bezweifeln, daß schon in der alten Rirche manche bei dem Blut von Märtyrern Schutz und Segen suchten. Später artete die Reliquienverchrung immer mehr aus. Am meisten aber wurde das angebliche Blut Thristi als Mnnderthäter geschätzt. Molfram von Gschenbach, gest. 1(225, pries dasselbe im „parzival" als das aus IEsu Leib geflossene, von Joseph von Arimathia gesammelte und