Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 8 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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phrr Mmkth. Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Mr. 8. — 57. Jahrgang. — 1901. Anhatt: wenn ich nur Dich bnbe! — Der Blulaberglaube bei Christen und Israeliten. — Dr. Paul Vcndix. — f^cirtuicfs IDrfeti des Christentums. — Der Berg der 1000 Vuellen. — Zu Ps. 57,5. — Zum Nachdenken. — Kleine Missionszeitung. — 21 m Grabe Spinozas in der Neuen Airche im Haag.— Bitte. Wenn ich nur Dich habe! Ls gebt so leicht durchs Lrdenleben, Ls gebt so selig himmelwärts, wenn nur das Herz dem HLrrn ergeben Unwandelbar in Freud' und Schmerz. Und über jedem steilen Hügel Ist näher uns des Himmels Licht, wir schwingen unsre Glaubensflügel Und schaun'des HLilands Angesicht. Und will der Fimmel trübe scheinen, Der Weg oft steil und schwer die Last: Der HLrr hilft immerdar den Seinen. Nur fest die Heilandshand gefaßt! wir halten ihn in Not und Schmerzen Und schreien: „Hilf, HLrrJLsu Christ!" Und fühlen's, daß er unserm Kerzen , So unaussprechlich nahe ist. (Eleonore Fürstin Reuß) Der Blulaberglaube bei Christen und Israeliten. Der Aberglaube verhält sich sprachlich zum Glauben wie die Aberacht zur Acht. Während aber die Aberacht wirklich eine zweite Ächtung oder einen weiteren Bann bewirkt, zeigt der Aberglaube vielmehr einen Abfall vom wahren Glauben, eine Herabminderung, nicht eine Steigerung desselben. Der Aberglaube ist nach einem Ausspruch Goethes die Poesie des Lebens. In Wahrheit stellt er in. vielen Fällen die nüchternste, in den meisten sogar die häßlichste und verderblichste Prosa dar. Jedenfalls könnte man bei ihm nur von einer Poesie der Hölle reden. Der über den wahren Glauben hinausgehende, ihn angeblich verdoppelnde, in Wirklichkeit aushebende Aberglaube verdunkelt das Wissen um den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, beängstigt das Gefühl durch erdichtete Schrecken, entfesselt böse Triebe durch vermeintliche Freuden. Nicht im Stande der herrlichen Freiheit, zu welcher der Gott der Bibel uns beruft, sondern im Stande der jämmerlichsten Unechtschaft befindet sich, wer von der Begegnung mit einer alten Frau oder mit einem Hasen Unglück, von dem Zusammentreffen mit einem jungen Wädchen, von dem Besitz eines Schweines, eines vierblättrigen Uleeblattes, eines Hufeisens Glück erwartet. Gin--armer Sklave ist auch, wer gewissen Formen des Denkens und Lebens, Zahlen und Zeiten, eine nur Gott zustehende Wirkungskraft beimißt. Vor andern garstigen und unheilvollen Erscheinungen des Aberglaubens fordert besonders diejenige, Kgl.Bibliotliek i &. vn oi