Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 7 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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54 bekannt zu machen. Mit der mündlichen predigt verband er die Verbreitung des Neuen Testaments und anderer christlicher Schriften. Er selbst verfaßte ein Gebetbuch für Jüdinnen und einen sehr brauchbaren Missionskatechismus. Nachdem R. im ganzen 3J( Jahre lang an den Mauern Zions gebaut hatte, durfte er in die ewige Ruhe eingehen. Am 3. November $00 setzte der Tod seinem Wirken ein Ziel. Eine Umfrage und ihr Ergebnis. Aus Nordamerika kommt eine beachtenswerte Nachricht. Tin Israelit Namens Weinstock wandte sich an hervorragende Glaubensgenossen mit der Bitte um eine Meinungsäußerung betreffs der Frage nach der Berücksichtigung der Geschichte und Lehren JEsu im jüdischen Unterricht. Gr erinnerte daran, daß der moderne Jude anders über JEsum urteile als der altgläubige, daß er ihn für einen der großen Lehrer Israels halte und seinen heilsamen Einfluß auf die Menschheit bewundere. Er beklagte aber, daß JEsus in den jüdischen Sabbathschulen keine Erwähnung finde. Er erklärte, man gewinne nichts, sondern verliere viel, wenn man ihn mit Schweigen übergehe. „Reine jüdische Erziehung kann vollständig sein," schrieb er, „die nicht mit JEsu, dem Juden, seinem Leben, seinen Lehren und der Ursache seines Todes in Rürze bekannt macht." Diese Äußerungen Weinstocks fanden vielfachen Beifall. Rabbiner und andere Gelehrte stimmten mit ihm in der Forderung überein, daß der jüdische Religionsunterricht JEsum zu berücksichtigen habe. Aber wie der Fragesteller, so hatten die Antwortgeber nicht den wirklichen, sondern nur den seiner eigentlichen Würde beraubten JEsus im Auge. Ein Rabbiner bemerkte: „Würde JEsus heutzutage unter den Menschen wohnen, so würde er in der modernen Synagoge einen Platz finden." Ein anderer wies darauf hin, daß schon Maimonides und Jehuda Halevi in JEsu und Muhammed Diener der göttlichen Vorsehung für die Heiden erblickt haben, und bezeichnete es als seine eigene Meinung, daß JEsus nichts anderes habe fein wollen als ein Jude und daß das Judentum in ihm einen der edelsten Menschen und einen der größten Lehrer hervorgebracht habe. Dem JEsus der Geschichte, dem Sohne und Lamme Gottes, wird diese Betrachtungsweise nicht gerecht. Wenn sie auch im Hinblick auf den früheren allgemeinen Haß der Juden gegen JEsum einen Fortschritt darstellt, so ist sie doch von der richtigen Auffassung seiner Person und seines Werkes weit entfernt. Das Lieblingslied Kaiser Friedrichs III , von welchem in dieser Zeitschrift schon zweimal (1889 und (897) die Rede war, verdankt seine Entstehung einem merkwürdigen Vorfall. Der Dichter desselben, £. Wesley, saß an einem schönen öommertage an einem offenen Fenster. Da bemerkte er, wie ein Habicht auf eine Taube herabschoß. Aber diese flog durch das Fenster auf lvesley zu