Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 7 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 seinen Gebetsmantel, der römische Aatholik seinen Rosenkranz hervor» Der Russe, der Grieche, der Armenier, der Protestant: jeder betete, wie man es ihn gelehrt hatte. Nur ein Sohn Abrahams, der Lemberger Fahrgast, saß still und traurig unter der Schar der Beter. Er fühlte sich unfähig, als Jude zu beten, da er schon zu viel vom Ehristeutum gehört hatte. Aber er vermochte auch nicht den Namen ZEsu anzurufen, also als Thrist zu beten, da ihn noch allerlei Zweifel beunruhigten, plötzlich kam ihm die Bitte der Jünger in den Sinn: ,,HErr, lehre uns beten I" Gr sprach sie nach und erhob so seine Seele zu dem allmächtigen HEiland inmitten der allgemeinen Gefahr, die von Minute zu Minute stieg. Da erschien der Aapitän wieder bei seinen Passagieren, um ihnen angesichts des Todes den Weg des Lebens zu zeigen. Zm Anschluß an Zoh. 3, f. redete der fromme Seemann von der ehernen Schlange als einem Vorbild des gekreuzigten Erlösers. Zwar verstand R., der des Englischen noch nicht recht mächtig war, keineswegs alle Worte des Aapitäns, aber was er verstand, machte einen liefen Eindruck auf ihn. Nicht lange darauf kam ein anderer Dampfer in Sicht, und die Fahrgäste erreichten glücklich den Hafen. Gott hatte die Gebete erhört und die Gefahr wieder abgewandt. Zufolge dieses Erlebnisses gelangte R. vollends zum Glauben au ZEsum. Zn Aischinew fand er im Hause von Pastor Faltin gastfreundliche Aufnahme und gründliche Unterweisung in den Lehren der evangelischen Airche. Am Osterfest des Zahres j(868 empfing er hier die heilige Taufe. Sein Wunsch, im Weinberge des HErrn arbeiten zu dürfen, ging in Erfüllung. Nachdem er in einer Berliner Missionsanstalt einen halbjährigen theologischen Unterricht genossen hatte, wartete er auf einen Ruf in die Mission. Ein solcher erging an ihn schon \869- Der Rheinisch-Westfälische Verein für Zsrael nahm ihn im Oktober dieses Zahres in feine Dienste. P76 wurde er von der Londoner Missionsgesellschaft übernorm neu. Als ihr Missionar blieb er zunächst noch auf seinem rheinischen Arbeitsfelde. \888 a^er wurde er in feine Heimatsstadt versetzt. Als er sich hatte taufen lassen, waren die Beziehungen zu seiner Familie gelöst worden. Seine Briefe blieben unbeantwortet. Bei einem Besuch in Lemberg erfuhr er, daß sein Vater kurz vorher gestorben war. Seine Mutter aber wurde von ihren übrigen Aindern verborgen gehalten. Endlich entdeckte der Sohn sie in Stanislau. Seine innige Liebe erweichte ihren Sinn und führte eine Aussöhnung herbei. Beim Abschied nahm er 6eu Segen der Mutter mit. Er hatte inzwischen bei dieser wie bei anderen Verwandten manches Vorurteil verscheuchen und allen einen Einblick in die Seligkeit verschaffen können, welche der Glaube an ZEsum in sich schließt. Als R. nun J888 nach Lemberg kam, um hier als Missionar zu wirken, begegnete ihm gerade derjenige Bruder, welcher einst sein erbitterter Feind gewesen war, mit großer Herzlichkeit. Obwohl der letztere Vorsteher einer Lemberger Synagoge war und bei den Zuden in hohem Ansehen stand, half er dem Missionar auf mancherlei Weise. Wie früher im Rheinland, so bemühte sich R. jetzt in Galizien eifrig, das Wort vom Areuz, die Quelle alles wahren Seelenfriedens,