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Dibre Emeth · 1901-01-01 · 6 (1901) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
6 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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47 Zu Kioö 19, 25. Ein junger litauischer Jude, der seit seinem ^0. Lebensjahr den Talmud studierte, erkannte niehr und mehr, daß dieser ihm den Seelenfrieden, nach dem er sich sehnte, nicht verschaffen konnte. Als er die talmudische Erzählung von Rabbi Iochanans Todesangst kennen lernte, fragte er sich: „was wird erst aus mir werden, wenn schon ein solcher Rabbi vor Gottes Gerichten zitterte?" Er sah ein, das; auch das tägliche dreimalige Zersägen von ps. joq. seine Seele nicht retten könnte. Ebensowenig fand er in den Religionsbüchern, zu welchen er jetzt feine Zuflucht nahm, das, was er suchte, so daß er nahezu verzweifelte. Da starb sein Vater, und dessen Tod war trotz aller Frömmigkeit, die der alte Mann besessen hatte, demjenigen von Rabbi Iochanan ähnlich. Die Friedlosigkeit des sterbenden Vaters steigerte die Scelenangst des Sobnes. Aber jetzt war diesen: die Hilfe nahe. In der Trauerzeit tnußte er statt des Talmuds das Buch £}tob lesen. Da erfüllte es ihn mit Erstaunen, als er an das herrliche Bekenntnis Rax. $ kam: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt." Er sagte sich: „Ich, der ich so viel studiert habe, weiß nichts von jenem Erlöser." Er begann in der Bibel zu forschen, um zu erfahren, wie Hiobs Glaube entstanden sei. Je mehr er aber in der Bibel las, desto mehr überzeugte er sich von dem gewaltigen Unterschied zwischen der biblischen und der talmudischen Lehre. Er sah, daß Israel von den, Gott seiner Vater sich weit entfernt hat und daß von der alten, ehrwürdigen Religion kaum ctwas im Talmud übrig geblieben ist. In dieser Zeit mußte er eines Abends eine Reise unternehmen. Im Eisenbahnwagen kam er bald in ein Gespräch mit den, einzigen Mitreisenden, der in demselben Abteil saß. Da dieser auch ein Jude war, sprach unser Freund mit ihm in tiefer Bewegung über das Elend des Judentums. Der andere blickte ihn sehr ernst an, kniete hierauf nieder und betete: „O Gott, der Du Deinen Sohn in die Welt gesandt hast, um das Verlorene zu retten und Betrübte und Beladene zu erquicken, ich danke Dir, daß Du diesem Jüngling sein Elend gezeigt hast. Und nun, HErr^ zeige ihm auch die große Liebe, mit welcher Du ihn liebst l Amen." Dann wandte er sich an den jungen Mann, überreichte ihm ein Buch, das Neue Testament, und jagte: „wenn Sie Frieden begehren, so lesen Sie fleißig und unter Gebet dies Bucht Se werden dann merken, weshalb Ihnen der Friede fehlt, und werden den Frieden finden können." Gleich darauf hielt der Zug, und der christgläubige Jude, dessen Worte einen tiefen Eindruck auf den Jüngling gemacht hatten, stieg aus. Sein. Name blieb dem letzteren unbekannt. Das Neue Testament aber wurde der nach Frieden lechzenden Seele eine Quelle des reichsten Segens. Es lenkte die Blicke des jungen Israeliten auf Ier. s\ und zeigte ihn, immer deutlicher, daß der Verfall des- Judentums eine Folge davon ist, daß es den nicht verkündigt, welcher die Worte Mat. th 28 gesprochen hat. Der Leser des heiligen Buches machte den Ruf Mark. \o, zu seinem eigenen, und das Flehen wurde erhört. Heiße Kämpfe mit der Mutier, den Brüdern und andern blieben ihm nicht erspart, konnten ihn jedoch von dem Entschluß, seinen Glauben an ILsum zu bekennen, nicht wieder abbringen. Er steht jetzt in Verbindung mit dem Missionsarzt Dr. Frohwein in Wilna. Zu Zes. 11, 6 f. (65, 25). Man thut dieser herrlichen Weissagung Gewalt au, wenn man sie uneigentlich versteht, d. h. auf die Überwindung der rohen Menschennatur bezieht. Auch Röm. 8, wird der vom Menschen unterschiedenen Kreatur eine Erlösung von dem auf ihr lastenden Banne angekündigt, wie schon jetzt unter günstigen Umständen die Erbfeindschaft zwischen Menschen und Tieren, desgleichen zwischen Tieren verschiedener Arten aufgehoben werden kann, ist allgemein bekannt, welche zärtliche Freundschaft entsteht z. B. zwischen Hund und Katze, wenn sie mit einander aufwaa.senl Daß sogar Katze und Kanarienvogel sich befreunden können, zeigt aufs neue ein Vorgatlg, der sich in etnein Pensionat zu Solothurn abspielte. Einst verschwand hier ein zahmer Kanarienvogel, den man hatte frei umherfliegen lassen.. Am folgenden Tage aber brachte die Hauskatze den vom Besitzer vergeblich Gesuchten wieder. Sie trug ihn sorglich im Mäulchet, und legte ihn vor die Füße des gemeinsamen Herrn. Der Vogel war unverletzt. Wir entnehmen dies Geschichtchen dem „Tier- und Metlschenfrennd" ($0^, S. 35), einer Zeitschrift, welche besonders die zum Fimmel schreienden Greuel der Vivisektion bekämpft und von der Geschäftsstelle des Internationalen Vereins zur Bekämpfung der wiffetischaftlichen Tierfolter-

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