Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 6 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2555102-2555108--10140-2566367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
44 Regent befahl mir und Bruder Sanbatu, schnell an seinem f^of einzutreffen. Da ich nicht wußte, was das zu bedeuten hatte, verbrannte ich meine Tagebücher, damit sie nicht in die Hände eines Verräters fielen. Wir fürchteten uns sehr und baten den Allmächtigen um seinen Beistand, daß er mit uns gehe und uns vor dem Fürsten Gnade gebe. Dann machten wir uns reisefertig. Am \2. September reisten wir ab. Unsere Familie und Freunde begleiteten uns bis zur sog. Aönigsebene. Hier sprach ich einige Worte des Abschieds über Apg. 20, 22 f. Dann redete im Namen der Brüder zu uns Hiob Negusie über Psalm 22, 4 f- Nun schieden wir mit vielen Thränen. Über Geint, Wadela und Dalunta erreichten wir endlich unter vielen Beschwerden in 8 Tagen Ietschu und die Residenz des Ras, Werts. Gleich nach unserer Ankunft meldeten wir uns bei dem Oberschreiber. Nach einigen Stunden wurden wir vor den Fürsten gerufen. Se. Excellenz begrüßte uns sehr freundlich, und wir armen Tröpfe verneigten uns dreimal nach abessinischer Hofsitte. Nach einer Pause durften wir uns wieder zurückziehen. Wir erhielten den Befehl, im Hause des Sekretärs zu wohnen. Abends ließ uns dieser zum Essen rufen. Während des Essens umschmeichelte er uns, in der Hoffnung, Geschenke von uns zu erhalten. Ich gab ihm ein sehr schönes Federmesser. Gr freute sich sehr über dasselbe und dankte vielmal. Am folgenden Tage wurden wir wieder zur Audienz gerufen. Der Ras stellte verschiedene Fragen an mich, z. L., warum die Engländer die Jungfrau Maria und andere Heilige nicht anbeten. Ich sagte ihm: „Weil dies in der Bibel verboten ist. Denn es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden, als der Name IEfu." Als er dies hörte, freute er sich sehr und sagte, er habe gehört, daß die Engländer und die Deutschen gute Ehristen seien und das Evangelium lieben und ehren. Wir blieben Tage am Hofe dieses Fürsten. Fast alle Tage ließ er uns durch seinen Sekretär rufen. Ich mußte ihm viel von Europa erzählen, auch hie und da aus der Bibel vorlesen. Dies war für mich eine große Freude, denn ich benützte die Gelegenheit, ein Zeugnis von meinem HEiland abzulegen. Endlich bat ich den Sekretär dringend, er möchte dem Ras sagen, daß er uns verabschiede. Dies geschah. Am 6. Oktober kamen wir wieder in Debra Tabor an. Wir priesen unfern HEiland, daß er uns gesund zurückgebracht hatte. Ich habe noch nie solche Freude gesehen, wie die, welche unsere Familien und Brüder bei unserer glücklichen Rückkehr bezeugten. Am \0. Oktober hielt ich mit den Brüdern eine Aonferenz ab. Wir faßten den Beschluß, nach Dembia zu gehen und unsere Missionsarbeit zu treiben. Am j^. Oktober verließen wir mit den Anserigen Debra Tabor. Aus dem Wege hatten wir sehr viele Schwierigkeiten zu überwinden. Wir hatten keine Lasttiere für unser Gepäck und mußten dazu unsere kleinen Rinder auf der Achsel tragen. Maultiere und Esel zu kaufen, hatten wir kein Geld. Am 20. Oktober kamen wir endlich in Dschenda an. Hier empfingen uns einige Proselytenfamilien und viele unserer Freunde mit