Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 5 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 Vorredners über Gottes Parteilichkeit für Aönig David an. Gr wies auf 2. Sam. \2 und J[5 ff. hin: die Büßpredigt Nathans und das rnit der Empörung Abfaloms verbundene Strafgericht, von welchem David betroffen wurde. Dieser erlangte die Gunst des höchsten erst dann wieder, nachdem er sich unter dessen gewaltige Hand gebeugt hatte. „Rann nun jemand/' fragte der Missionar, „David die Gnade Gottes, deren wir alle als Sünder bedürfen, versagen?" Dann ging er zur Verteidigung der gleichfalls angegriffenen Psalmen über. Gr berief sich auf lobende Urteile hervorragender Denker. „Die Psalmen", fuhr er fort, „enthalten die großartigsten Schilderungen der göttlichen Natur, welche eine Menschenseele fassen kann. Gingegeben von dem, der alle Herzen kennt und alle Ereignisse voraussieht, passen sie für das Menschengeschlecht in allen Lagen: lieblich wie das Manna, das von oben herabkam. Mer ihre Süßigkeit einmal gekostet hat, wird sie immer wieder kosten wollen. Je häufiger aber man die Psalmen genießt, desto mehr Geschmack findet man an ihnen." Lauter Beifall unterbrach hier den Missionar. Viele Zuhörer forderten ihn aus, weiter zu reden. Gr wandte sich jetzt der vorher dem Gelächter preisgegebenen Dreieinigkeitslehre zu und rief in die große Menge hinein: „Brüder, glaubet mir: Zhr habt die Stimme eines Feindes vernommen, der Euch von Gott abwendig zu machen sucht!" Das war dem Leiter der Versammlung doch zu viel und er schrie: „Unsinn!" Horowitz aber erwiderte: „Gs muß Unsinn gewesen sein. Denn die Rede, die wir hörten, hatte sicherlich keinen Sinn. Rann die Ameise in des Menschen Gehirn kriechen, um des Menschen Welt so anzusehen, wie der Mensch sie ansieht? Nun ist des Menschen ganze Welt Gott gegenüber nur wie eine Ameise im Weltall. Dennoch meint er so sehen und denken zu können wie Gott und den Allmächtigen nach den kleinlichen Menschengesetzen beurteilen zu können. So suchte unser Redner das Geheimnis des dreieinigen Gottes zu ergründen und mit seiner beschränkten Araft das unendliche Leben, welches die ganze Welt durchflutet, einzuschließen." Bei diesen Worten sprang der verspottete Redner auf Horowitz zu und rief: „Sie haben mich hintergangen. Sie sind kein Jude, sondern ein Ghrist." Der Missionar antwortete: „Zch bin ein Zudenchrist." Um sich als einen solchen zu erweisen, sprach er jetzt von Jesu als dem zweiten Melchisedek. Da die Menge mit gespannter Aufmerksamkeit zuhörte, wagte er endlich die anwesenden Ghristen zu bitten: „Laßt uns die Versammlung mit dem Gesang der Doxologie schließen!" Der erste Redner erhob zwar hiergegen Ginsprache. Gr rief wütend: „Solchen Unsinn erlaube ich in meiner Versammlung nicht." Aber der von dem Missionar gemachte Vorschlag kam doch zur Ausführung. Mit entblößten Häuptern sangen mehr als tausend Personen die Doxologie. Die Zuden, die zugegen waren, hörten bei deni Gesang der Ghristen ehrerbietig zu. „Gs war ein herrlicher Sieg des Areuzes über den Satan und seine Nachfolger", konnte Horowitz mit Recht von diesem Vorfall sagen.