Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1901-01-01 · 4 (1901) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
4 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2555102-2555106--10120-2566345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

26 ich mich erheben. <£s sind bereits siebenzig Jahre feit diesem Augenblick verflossen, aber die Erinnerung an denselben ist noch lebendig. Ich fühlte mich über das Alltagsleben erhoben. Das Gewissen trieb mich zu genauester Erfüllung meiner Pflichten an. Meine glaubenslose Umgebung gab bei dieser auffallenden Veränderung ihre Anerkennung kund. In meinem seitherigen Leben haben sich die Verheißungen Ehristi an mir erfüllt. Der Widerstand meiner Eltern gegen meine Taufe war nicht erheblich. Sie hatten bereits einer Tochter behufs Verheiratung mit einem Ehristen die Taufe gestattet und hierdurch mir den Schritt erleichtert. Das Trachten nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit legte mir manche Entsagung, auf irdische Vorteile auf, aber ich erfuhr Gottes Segen bei fleißiger Arbeit, so daß ich in selten glücklicher Ehe meine Rinder erziehen und ausbilden lassen konnte und sie gottlob sämtlich in gedeihlichen Verhältnissen sehen darf. Das höchste und Größte ist mir geworden. Ich vor Gott schuldiger, armer Mensch und Sünder feire heute im Anschluß an meine Volksgenossen ein wahres Versähnungsfest. Der Messias, IEsus Lhristus, ist nach dem Wort des Propheten Iesaia (Rap. 53) um unserer Sünde willen verwundet, um unserer Missethat willen zerschlagen, die Strafe liegt auf Ihm, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Auch meine Sünden hat er gebüßt, und ich gehe getrost dem Tode entgegen. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und mich selig macht. Mein Zweck und höchster Lohn wäre erreicht, wenn durch mein Bekenntnis auch nur Eine Seele aus Israel zu ernster Prüfung des N. T. und zu dem Gebet des psalmisten (Ps. j(39) sich gedrängt fühlte: „prüfe mich, Gott, und erfahre, wie ich es meine, und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege!" Das walte Gott! L. £}. Missionswanderungen in Abessinien. II. Im Juni \899 begaben wir uns auf eine Missionspredigtreise. Unser Reiseziel waren zwei uns ganz unbekannte Provinzen, in welche noch nie zuvor ein Bote des Evangeliums gekommen war. Wir halten das Vertrauen zu Gott, daß er seinen Engel vor uns hersenden, uns behüten und auf rechter Straße leiten werde. Nachdem wir uns noch durch gemeinsames Gebet gestärkt hatten, verabschiedeten wir uns von unseren Familien und traten die Reise an. Jeder trug eine Bibel, etliche Traktate, etwas Mundvorrat, ein Wassergefäß und ein Stück Leder, unser Bett. Berg auf, Berg ab, durch dornige Wälder und über fruchtbare, aber verwilderte und öde Ebenen, an silberklaren Flüßchen und Bächlein vorüber, uns gegenseitig mit dein Worte Gottes stärkend, erreichten wir abends das Dorf Adisbethristian. Da die Leute des Ortes oft und viel von Durchreisenden gebrandschatzt werden, wollte uns niemand eine Nachtherberge geben. Wir saßen wohl über eine Stunde im Freien im Regen und wurden ganz durchnäßt. Ls war eine rechte Geduldsprobe für uns. Wir trösteten uns mit den:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.