Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 3 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 erworben ist. Wenn Nordau sich auch noch so sehr als begeisterter Verehrer der Lehre Christi geriert und diesen für seine Rasse und als ein Aind rein jüdischen Geistes in Anspruch nimmt: er irrt sich, er hat Christum nie verstanden. Israel hat auch stets seinen Gott und die göttliche Offenbarung für sich in Anspruch genommen, als wären sie von ihm erdacht, wie die Heiden sich ihre Götter und deren Lehren selbst machen. Aber Gott zeigt seinem Volke immer wieder in heiligem Ernst, daß er sich dergleichen heidnisches Wesen nicht gefallen läßt. Solange die Führer Israels auf das Recht des Israels nach deni Fleische, auf seine Rasse, Weisheit, Gerechtigkeit, Humanität, Reichtum ufw. pochen, können sie trotz aller ihrer scheinbaren Annäherung an das Christentum nur Verwirrung anrichten. Man darf hier am wenigsten mit leichtfertigen Vermutungen und Verdächtigungen an den feststehenden historischen Thatsachen vorübergehen, nur weil es dem Volke Israel angenehm ist. Wenn Nordau den durch die Überlieferung der synoptischen Evangelien berichteten Verlaus des Prozesses IEfu so darstellt, als hätte nach ihr der Sanhedrin IEsum zur Arenzigung verurteilt und als hätte er die Areuzigung am Freitag vor dem paffahfeste vollziehen lassen, so hat dieser genaue Aenner der Synoptiker das wider besseres Wissen gethan. Nicht zur Areuzigung hat der Sanhedrin Iesum verurteilt, sondern überhaupt nur zum Tode, weil das Todesurteil von den: römischen Prokurator bestätigt werden mußte und es darum auch feine Sache war, die Art der Todesstrafe zu bestimmen und das Urteil vollziehen zu lassen, wobei er an das jüdische Gesetz nicht gebunden war. Ünd die Verurteilung ist vom Sanhedrin nicht am Freitag, sondern in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag geschehen. Gegen den ganzen Geist des göttlichen Gesetzes ist ja freilich in dieser Sache vom Sanhedrin im allerhöchsten Grade gesündigt worden. Aber kann dies ein Beweis dafür sein, daß der Bericht der Synoptiker die israelitischen Richter fälschlich beschuldigt hat? £)at nicht Israel und seine Obrigkeit f00 und JOOO mal gegen das heilige Gesetz Gottes aufs gröblichste gesündigt nach den Berichten des A. T.? Aann man nun schließen, weil Israel und seine Obrigkeit das heilige Gesetz Gottes hat, so kann der Sanhedrin das Verbrechen des Justizmordes an IEfu nicht begangen haben? Das wäre freilich nach dem Sinne des selbstgerechten, falschen, aber nicht nach dem Sinne des aufrichtigen, wahren Judentums. E. Billig. Ein Brief non Felix Mendelsfohn-Variholdt) an Nari Klingemann. Rom, 26. Dzbr. M0. hier bin ich in Rom; es ist ein großes Wort, und ich fühle täglich mehr, was es sagen will. Was Natur und Vorzeit vermögen, das zeigt sich hier, und man geht von Genuß zu Genuß, die uns Gott und die Vergangenheit schenken. Aber die Menschen, was ich so nenne, die mangeln, und so möchte ich sagen, daß ich niemals so