Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 3 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Messiaserwartungen knüpfen könnten, zu ersticken. Aber die Juden dafür strafen zu wollen, daß sie die göttliche Mission Christi nicht anerkennen wollten, dazu mußte ihnen jegliches Motiv fehlen. Von welchen Menschen konnte dieser Racheakt sonst ausgehen? Doch allem, so muß man mit Nordau vermuten, von den Anhängern IEsu. Aber die sollten von dem Areuzestode IEsu erzählt haben, um sich an den Juden zu rächen? Das ist uns ebenso unverständlich. Freilich, sie waren ja auch Juden, diese Anhänger IEsu, und mußten sehr erregt sein über die jüdischen Oberen, die die göttliche Mission Christi nicht hatten anerkennen wollen. Und Nordau, der sich als den genauen Renner des echtjüdischen Geistes geriert, mag es besser wissen als wir, wie Entsetzliches man der jüdischen Rachsucht zumuten kann. Aber die Anhänger IEsu sind es ja, welche in den synoptischen Evangelien, die doch von ihnen ausgingen, und die von Nordau als Produkte echt jüdischen Geistes gelobt werden, aller Rachsucht aufs entschiedenste entgegentreten und ihren geliebten HEiland am Rreuze mit den Gebetsworten sterben lassen: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" Ist es möglich, daß diese die vergebende göttliche Liebe in Christo predigenden Jünger die ganze Welt belogen haben? Ich meine, wer wie Nordau ergriffen ist von dem Sinn und Geist der Synoptiker, sollte bei ernstlichem Nachdenken das ebenso für unmöglich halten wie wir. Es fehlt jeglicher Anlaß zu der erwähnten leichtfertigen Verdächtigung der Jünger, die sich offenbar absichtlich in so unbestimmten Worten ausdrückt. Und doch bleibt es bei der Rache, aber freilich nicht bei der menschlichen, sondern der göttlichen Rache, wie wir oben bemerkten. Nordau ist ein Anführer Israels zu entscheidender Zeit, wie es zu IEsu Zeit der Hohepriester Raiphas war. In seinen angeführten Worten liegt Wahrheit, wie sie zu IEsu Zeit in den Worten des Raiphas lag, da er im Sanhedrin sprach: „Ihr wisset nichts, bedenket auch nichts; es ist uns besser, Ein Mensch sterbe für das Volk, denn daß das ganze Volk verderbe" (Ioh. QQ f.). Das war der göttliche Ratschluß über IEsum. Aber Aaiphas irrte darin, daß er nichts mit scheuer Ehrfurcht auf diesen göttlichen Ratschluß sah, sondern auf die menschlichen Ratschläge und Beweggründe, die IEsum betrafen.. So ist es auch eine göttliche Rache, die IEsum ans Rreuz geführt hat. Weil die Juden nicht hatten glauben wollen an den eingebo.rnen Sohn Gottes, der sich ihnen in so wunderbarer Weise drei Jahre lang als ihren Messias erwiesen, so wurden sie durch die göttliche Rache von Gott also geblendet, daß sie in ihm ihren eignen HEiland zum Tode verurteilen und kreuzigen lassen mußten, damit nun das Blut IEsu darnach fort und fort um Rache schreien sollte über sie, bis sie sich . zu IEsu bekehren würden. Wer wie Nordau angesichts des Areuzes Christi keine Scheu hat vor dem Racheakt Gottes, der dort geschah, sondern vielmehr sich eine verborgene, heimtückische Rache seiner Jünger ausdenkt, der kann freilich keine Erfahrung haben von der Versöhnung, die durch IEsu Blut, das lauter schreit als das nur nach Vergeltung schreiende Blut Abels, den Juden voran und darnach allen Heiden