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Dibre Emeth · 1901-01-01 · 3 (1901) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
3 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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journal issue
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18 Welche Schuld hat Israel am Tode JEsu? V cm solcher Verschuldung will man merkwürdigerweise in Israel überall nichts wissen. Am leichtfertigsten und gewissenlosesten wird leider der mit seinem Urteil über diese Frage fertig, der jetzt als ein hervorragender Führer Israels auftritt, Max Nordau. Er schreibt in seinem, den Lesern der D. <£. bereits bekannten Briefe an den Pater hyacinthe Loyson: „U)enn IEsus zum Tode verurteilt worden ist, so ist dies einzig durch römische Richter geschehen, und kein gesetzestreuer Jude hat daran den mindesten Anteil nehmen können. Vor einem jüdischen Tribunal hätte ein frommer Mann, der die essäische oder ebionitische Lehre bekannte, selbst wenn er sich vom Sabbathgesetz losgesagt, selbst wenn er den Geist über den Buchstaben gesetzt, selbst wenn er sich als den Verheißenen, den Gesalbten des HErrn ausgegeben hätte, niemals zum Tode am Rreuz verurteilt werden können, weil dies keine vom jüdischen Gesetz erlaubte Art der Einrichtung ist; und er wäre niemals am Freitag vor dem Passahfest hingerichtet worden, weil das Gesetz jede Hinrichtung an einem solchen Tage streng verbietet. Wenn Juden IEsum unter den Umständen verurteilt hätten, wie die Tradition sie darstellt, so hätten sie eine Reihe Frevelthaten begangen, deren jede einzelne die schwersten Strafen nach sich zog. Auch ist es gewiß, daß die ganze Geschichte des Prozesses JEsu nur ein Racheakt derjenigen sein kann, welche die Juden dafür strafen wollten, daß sie die göttliche Mission Lhristi nicht hatten anerkennen wollen." Also ein menschlicher Racheakt soll die Geschichte dieses Prozesses sein. Wer nimmt in Wahrheit Rache an dem auserwählten Volke Gottes dafür, daß es JEsu göttliche Mission nicht hat anerkennen wollen? „Die Rache ist mein, ich will vergelten," spricht der HErr 5. Mos. 32,35. Und nun sollte Gott sich seiner Rache an seinem auserwählten Volke begeben und sie Israel feindlichen Menschen überlassen haben? Menschliche Rache und falsche Geschichtsmacherei sollten all das große Unglück der letzten neunzehn Jahrhunderte über Israel gebracht haben? Das kann niemand zugeben, der noch an Gottes Weltregierung glaubt. Ist's aber Gottes Rache und nicht der Menschen, daun kann und wird er auch seiner Rache zur rechten Zeit ein Ende machen nicht um Israels Gerechtigkeit willen, sondern um seines Namens willen. Nordau denkt nur an menschliche Rache, als käme Gottes Rache hier garnicht in Frage. Welche Menschen er meint, sagt er nicht. Er spricht nur ganz unbestimmt von einem Racheakt derjenigen, welche die Juden dafür strafen wollten, daß sie die göttliche Mission Lhristi nicht hatten anerkennen wollen. Aber wer konnte sie denn hierfür strafen wollen? Etwa die römischen Richter, an die Nordau inr Anfänge der angeführten Briefstelle erinnert? Diese römische Strafe wäre jedoch ganz unverständlich. Man könnte sich denken, römische Richter hätten IEsum verurteilt und kreuzigen lassen, weil viele in Israel ihn trotz des Urteils des Sanhedrin für den Messias hielten, um mit ihm all? etwaigen Unruhen, die sich an die

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