Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 57 (1901)
- Issue
- 2 (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Jüdische Bedenken gegenüber dem Christentum. (Fortsetzung und Schluß von Jahrgang ILOO, S. 93.) Israel, das mitten in der Christenheit lebt, muß ja viel von solchem Erfolge des Gekreuzigten sehen, ja, kann ihn fast mit fänden greifen, aber es will doch nicht an ihn glauben. Warum nicht? Weil es nicht ein ,Erfolg für Israel insbesondere ist, sondern nur ein allgemeiner Erfolg, der die Verehrung des Gottes Israels weit in der Welt verbreitet hat. Wan meint, Israel habe ein besonderes Recht: zu erwarten, daß der Messias unter allen Umständen sein Volk zunächst von dem Joche seiner äußeren Feinde erlöse. Solche Erlösung mußte, so sagt man, unter allen Umständen geschehen, ob der Messias bei seinem Volke Glauben fand oder nicht, das liege in der Idee der Messianität. Aber das ist doch ein gewaltiger Irrtum, der dem Geiste und der Geschichte des ganzen A. T. widerstreitet, dieser Geschichte, die lediglich auf dem Glauben und dem daraus hervorgehenden Gehorsam beruht, den Iehovah von Abraham an in meist sehr beschränkter Weise bei seinem Volke gefunden hat. Allerdings müssen sich ja die Verheißungen erfüllen, weil sie Gottes Wort sind; aber sie sind für den Glauben gegeben und verwandeln sich in Drohungen, wo der Glaube fehlt. Aus diesen Drohungen werden dann Gerichte, unter denen es scheint, als habe Gott seine Verheißungen ganz vergessen und sein Volk, das ihn durch Unglauben verworfen, nun auch verworfen. Aber diese Gerichte sollen das Volk sichten, daß viele wieder zu Gott schreien, den sie vergessen haben, und so wieder für den rechten Glauben reif werden. Erst durch solche Sichtung ist ja Israel in das verheißene Land Aanaan gekommen. Als das Volk nach der Wanderung aus Ägypten durch die Wüste bereits an die Grenze desselben gekommen war, dort aber von den vorausgeschickten Aundschaftern hörte, von welchen riesenhaften unk streitbaren Männern das Land bewohnt wäre und was für feste Städte diese hätten, da gelüstete es Israel nicht mehr nach dem doch überaus fruchtbaren .Lande, und es war voller Angst vor den Schrecken des Ariegs, der bevorstand, denn es hatte den Glauben an die zum Siege führende Hilfe Gottes verloren. Da verwandelte sich die Verheißung in Drohung: das Volk mußte zurück in die Wüste und dort sterben, ohne das Land zu gewinnen. Nur Iosua und Aaleb, die den Glauben nicht verloren hatten, und die unmündigen Aindlein sollten nach HO Jahren, in welchen sie durch Gottes wunderbare Wüstensührung zum Glauben erzogen und herangewachsen waren, das Land gewinnen. Aber als sie es nun halten, war doch vieles da, was ihnen nicht gefiel. Ihre Aufgabe an den im Lande wohnenden Heiden erfüllten sie nicht. Die Treue Gott gegenüber hielten sie nicht, sondern kehrten sich zu den Götzen. 5o ist denn die ganze Geschichte Israels eine Geschichte seiner Sichtungen geworden. Und als dann der Messias kam, da erfüllte sich, was Iesaia von ihm geweissagt hatte. Viele ärgerten sich an ihm, „weil seine Gestalt häßlicher war denn anderer Leute und sein Ansehen denn der Menschenkinder.