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Dibre Emeth · 1901-01-01 · 1 (1901) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
57 (1901)
Issue
1 (1901)
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Gerechtigkeit, so wird Luch das Übrige alles (alles, was der Leib bedarf) zufallen." Zwei Frauen bekannten ihren Glauben, was uns» Freude machte. Auf unserer Heimreise kamen wir durch alle Dörfer, wo Gläubige wohnen. Wir blieben oft zwei und mehr Tage, in Siet sogar vier. Wir unterwiesen die Gläubigen im Worte Gottes und hielten jeden Abend Versammlungen, an denen auch abessinische Ehristen teilnahmen. Als wir nach, dreiwöchentlicher Reise gesund zu Hause ankamen, hielten wir einen Dankgottesdienst und erzählten den Ünsern, wie der HErr seinem Worte Eingang verschafft. Alle freuten sich und dankten mit uns. Hiob Negusie. Venedictus Levita nennt sich der Verfasser eines von den „preuß. Jahrbüchern" im Oktober $00 veröffentlichten Aufsatzes über „die Erlösung des Judentums." Derselbe, selbst ein Jude, schreibt namens vieler Stammesgenoffen: „Wir sind müde, ach, so müde unseres Judentums, das uns von unserem Volke trennt, ohne uns dafür religiöse Erhebung zu gewähren. Das kostbare Besitztum, das dem Geringsten die Natur in die Wiege legt, ein Volkstum, uns bleibt es versagt. Ins Deutschtum hinein können wir nicht, ins Judentum zurück wollen wir nicht. Wir müssen unseren trostlosen Weg einsam weiter wandern. Der große Rechtsbruch der Rreuzigung wird heimgesucht, am tausendsten Glied. Furchtbar erfüllt sich an uns der frevelhafte Ruf unserer Vorfahren: „Sein Blut komme über uns und unsere Rinder!" Unsere Rinder? Da seh' ich sie froh mit geschwellten Segeln Hinaustreiben in das Meer der Welt, sich ahnungslos gesellen zu ihren Rameraden, mit ihnen die Spiele der Jugend zu spielen. Und ich sehe sie hart zurückgestoßen: „Du gehörst nicht zu uns, Du bist uns fremd". Ich sehe die erschrockenen Augen vorwurfsvoll auf mich gerichtet: Warum hast Du mir das gethan? Da Du mich nicht zum Juden erzogen, warum hast Du den Fluch des Judentums auf mich vererbt? Warum muß ich für eine Sache leiden, die mir nichts ist? Und da blitzt es mir durchs Gemüt: sie haben recht. Sind wir nicht mehr Juden, so haben wir kein Recht, unsere Rinder zu Juden zu erziehen. Haben wir im Ehristentum die rechte Religion erkannt, so müssen wir unsere Rinder in dieser erziehen. Das gelobte Land, das wir nur von ferne schauen dürfen, unsere Rinder sollen es erben. Der ewige Jude stirbt. Unsere Rinder werden Ehristen." Eine heftige Erwiderung auf diesen Artikel erschien am 26. Oktober $00 in der „A. Z. d. I." aus der Feder des Berliner Rabbiners Di*. Maybaum. Der letztere wirft dem Mitarbeiter der „Jahrbücher" allerlei Irrtümer vor. Aber die Verteidigung des Judentums, bei der sich M. auf zwei nichtjüdische Universitätslehrer, Harnack und Berner, beruft, ist ihrerseits nicht minder anfechtbar. Z. B. leugnet M. die fortdauernde Geltung der nationalen Eigenart der jüdischen Feste. Die Geschichte von dem großen Rechtsbruch der Rreuzigung und von der furchtbaren Selbstverwünschung Israels beseitigt er durch den Machtspruch, daß es sich hier um „reine Erfindungen" handle. Wir ehren

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