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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 12 (1900) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
12 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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92 in ihre Sünden und Laster, und wie dadurch das Reich gespalten und Israel zuletzt von vielen Heiden nach einander, den Affyrern, Babyloniern, Ägyptern, Griechen und Römern, beherrscht wurde. Als sie nach dem Liege der Makkabäer wieder sich selber Könige gaben, wie die Heiden sie haben: ja, da waren es auch zuletzt solche Könige. Die Greuel ihres Regimentes haben es bewiesen. Und doch ist Israel dabei geblieben, einen König zu begehren, wie ihn alle Heiden haben. Als IGsus, nachdem er mit wenigen Brocken Tausende gespeist hatte, vor dem Volke entwich, das ihn zum König machen wollte, da erkannte das Volk: „Der ist nicht nach unserm Sinn, kann nicht ein König sein, wie ihn alle Heiden haben," und glaubte nicht mehr an ihn. Gr lebte in der Geschichte Israels mehr als irgend einer und verstand ihre Warnungen besser als alle Weisen. Gr wusste, daß er mit Israel Gott verwerfen würde, wenn er sich von dem Volk zum Könige machen ließe. Vor Pilatus bezeugte IGsus, daß er der König Israels sei, daß aber sein Königreich ein anderes sei als das eines Königs der Völker: nicht ein Königreich von dieser Welt, sondern ein Königreich, das vom Himmel gekommen sei, um allein mit der Waffe der Wahrheit sich gehorsame Unterthanen zu verschaffen. Dieser Waffe aber widerstand Israel damals so sehr, daßsie verleumderisch ihn verklagten, er sei ein Aufrührer und habe verboten, dem Kaiser Schoß zu geben, und das ganze Land beunruhigt. Hätte man dies nicht gethan und dem Wirken IGsu Zeit gelassen, wer weiß, was dann geworden wäre? Wenn IGsus Zeit gehabt hätte, das Volk zu bereiten, und wenn er beim Volke wirklichen Glauben gefunden hätte, so hätte vielleicht Gott der HGrr die Römer durch Kriege in anderen Teilen ihres weiten Reiches so beschäftigt, daß sie das Land Israel aufgegeben hätten. Dann wäre das Volk frei geworden unter der Herrschaft des Königs IGsus Christus. Dieser, der nicht ist wie die anderen Könige, hätte nun angefangen das Königreich des wahren Friedens auch äußerlich zu errichten, und von seinem Reiche wäre dann der Gottesfriede durch die wohlbereiteten Boten aus Israel zu allen andern Völkern gekommen. Das sind Menschengedanken; aber die Juden, die heute die Verirrung des Rabbi Akiba beklagen, welcher den mit dem Schwerte aufgetretenen Barkochba als den Messias anerkannte, sollten doch solchen Gedanken nicht fern stehen. Lieber nehmen sie an, daß die Geschichtsschreiber über diese Anerkennung des Akiba sich geirrt haben, oder sie greifen gar zu der noch gefährlicheren Verlegenheitsauskunft, daß Akiba nur gegen seine eigne Meinung vorgegeben habe, Barkochba sei der Messias, damit er dadurch Grfolg gewinne und Israel von dem Joche der Römer befreie. Freilich, Israel hatte es durch feine harten Erfahrungen nachgerade gelernt, daß der Messias nicht kommen könne als ein König mit dem Schwerte, wie ihn alle Heiden haben, sondern als der Köng des Friedens. Und Sacharja hatte geweiffagt: „Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitet auf einem Gsel und einem Füllen der lastbaren Gselin." Als dieser sanftmütige König hat darum IGsus zuletzt in Jerusalem seinen Ginzug gehalten. Als dieser König,

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