Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 12 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Die Freude, die ich im Ausblick auf die Begegnung mit meinem HEiland empfinde, kann ich in Worten nicht ausdrücken." hierauf wandte sich der Greis an seinen Besucher mit der Bitte: „Lieber Bruder! Verachten Sie nicht das Geburtsrecht und die Ansprüche des Messias um irdischen Gewinns willen! Forschen Sie in dem Buch der Wahrheit nach ihm, der die Wahrheit ist! Folgen Sie meinem Beispiel I Ich nehme nichts mit mir, aber ich habe alles in meinem Erlöser und HEiland IEsus." Erschöpft mußte Fränkel nach diesen Worten innehalten. Zwei Tage später entschlief er. Das herrliche Zeugnis, welches er im Tode abgelegt hatte, wurde von Gott gesegnet. Wie es die letzte Aundgebung des dem Iudenchristen geschenkten geistilichen Lebens gewesen war, so erwies es sich als einen triebkräftigen Samen, aus welchem in der Seele des jüdischen Zuhörers ein solches Leben erwuchs. Der ehemalige Verächter Ehristi bekennt jetzt, daß Ehristus auch sein HEiland ist. Der Geist des Sohnes Gottes hat von seinem Kerzen Besitz ergriffen. Der Mann, dessen Nacken, wie er selber sagte, einst so hart war wie der Turm Davids, rühmt heute die Macht der Gnade, die Lhristum in uns eine Gestalt gewinnen läßt. Aber dankbar redet er auch von dem menschlichen Werkzeug seiner Bekehrung, dem alten Fränkel. Jüdische Bedenken gegenüber dem Christentum. (Fortsetzung.) Man sagt nun wohl, betroffen von dem Lebensbilde IEsu: „Es ist wahr, das alles ist im höchsten Grade edel und groß, zum Streben nach den höchsten Idealen auffordernd, zur aufopferndsten Liebe ermunternd. Ohne Zweifel hat dies Beispiel IEsu bewirkt, daß das (Christentum sich immer mehr die Welt erobert und damit das große Verdienst erworben hat, gewaltig viel zur Verbreitung der wahren Religion, der Anbetung des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs beigetragen zu haben. Aber das alles ist doch für Leute aus allerlei Volk. Wo bleibt der Vorzug Israels? Der wahre Messias mußte vor allem Israel, das auserwählte Volk, von dem Joche seiner Feinde erlösen, damit es in Freiheit seinen Beruf als das königliche Priestertum Iehovahs an den andern Völkern erfüllen könnte, damit auch sie dazu kämen, Gott anzubeten und in solcher Anbetung selig zu werden. Aber IEsus hat niemals solche Erlösung versucht." Wirklich nicht? Er mußte doch solche Erlöserarbeit damit beginnen, sich ein innerlich freies Volk zu schaffen, ein Volk, das befreit wäre von seinen Sünden und Lastern, von Fleischeslust, Habsucht, Hochmut, vor allem von Selbstgerechtigkeit und Heuchelei, ein Volk, das Vergebung der Sünden hätte und nun im Bewußtsein des Friedens mit Gott seinen heiligen Priesterberuf an den übrigen Völkern antreten könnte. Er wollte den Kindern Israels diesen Frieden mit Gott in seiner Person bringen. Denn in ihm, als dem eingeborenen Sohn Gottes, kam das Reich Gottes zu ihnen, weil in ihm das Leben der heiligen, göttlichen Liebe war. Aber diese heilige Liebe begehrten sie