Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 11 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2555115-2555126--10077-2566298- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 gehört hätten. Aber auch ein französischer Jude wußte nichts davon, daß Jer. Zf eine Erneuerung des alten Bundes verheißen wird. Besonders groß ist die Gleichgiltigkeit gegen das Wort Gottes in Italien. Dem Unglauben reicht oft der Aberglaube die Hand. In Nordafrika wandte ein Jude Wasser aus dem sagenhaften Fluß Sambation, welches er von einem Rabbiner gekauft hatte, als Zaubermittel an. Einzelne sehnen sich aus der Fremdherrschaft, der sie verfallen sind, hinaus. Einen russischen Juden veranlaßten die Albernheiten des Talmuds dazu, im Thristentum die freimachende Wahrheit zu suchen. Lhristliche Schriften, besonders das N. T., werden von solchen Menschen der Sehnsucht eifrig durchforscht. Ein Lemberger Israelit sagte: „Als ein alter Mann würde ich mich schämen, wenn ich das N. T. nicht gelesen hätte. Ich schätze dasselbe hoch." Ein anderer faßte seine Ansichten über den zweiten Teil der Bibel mit den Worten zusammen: „Ein Buch, welches beständig so viel Gutes wirkt, kann nur die Wahrheit sein." In Smyrna zeigte ein Kaufmann dem Bücherbolen, der ihn besuchte, ein altes, vielgebrauchtes N. T. und bemerkte hierbei: „Ich lese dieses Buch häufig und gerne. Vieles weiß ich auswendig." In Jaffa fanden sich viele, welche das N. T. mehrmals durchgelesen hatten, aber auch etliche, welche es wagten, den Inhalt desselben gegen unwissende Glaubensgenossen zu verteidigen. Eine große Anzahl Bücher wurde an Israeliten verkauft. Bukarest und Mogador stehen in dieser Beziehung immer noch obenan. $99 betrug der Erlös dort 1350, hier \\27 Mk. Auch die mündliche Darbietung des Evangeliums ist manchen willkommen. Aus England wird von Israeliten berichtet, die mit großer Freude am christlichen Sonntagsgottesdienst teilnahmen. In London stellten sich viele zu Missionspredigten ein. Einnial zählte man 350 Teilnehmer. In Leeds kamen an jedem Sonnabend Altgläubige und Ungläubige, auch Sozialisten, in die Missionshalle, um sich religiöse Fragen beantworten zu lassen. Es fehlt nicht an solchen, welche vor einem Missionar die Überlegenheit des Thristentums gegenüber dem Judentum zugestehen. 5ie erkennen den Vorzug des ersteren darin, daß es den Menschen stets an seine Sündhaftigkeit erinnert, Buße, Glauben und Heiligkeit fordert. Eine kranke Jüdin in Paris erklärte, daß sie auf den HErrn, den sie durch die Mission kennen gelernt hatte, ihr ganzes Pertrauen setze. Ein nordafrikanischer Jude scheute sich nicht zu sagen: „Wir sind im Unrecht. JEsus von Nazareth ist wirklich der Messias, der von, den Propheten verheißene Lohn Davids." Aber von derartigen Äußerungen ist oft noch ein weiter Weg bis7zum Taufstein. Man läßt sich von allerlei Bedenken zurückhalten. „Das Thristentum ist so vollkommen," sagten einige an der Schwelle desselben Stehende, „daß es sich nur für Engel im Himmel, nicht für Menschen auf Erden eignet." Andere versprachen überzutreten, wenn man ihnen eine Gemeinde oder auch nur einen einzelnen^Thristen zeigen könne, dessen Wandel mit Lhristi Lehre übereinstimme.