Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 11 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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85 „VDit haben uns geirrt. Die Aufgabe des: Messias war - zunächst nicht die, uns von den äußeren-Feinden zu erlösen. Er sollte ■ur\& von den inneren Feinden befreien, die unser Herz - beherrschen.". Zwischen diesem Entweder— Oder muffen die fortwährend hin und her schwanken, die in IEsu den frommen Juden verehren, ihn aber nicht für den Messias halten, weil ev Israel nicht von dem Joche der Römer befreit habe. . .? > , i So hat denn der .Israel, so freue Gott, der es getragen hat/wie auf Adlers Flügeln und noch immer trägt/ der. es bis heute .trotz feiner vielen Feinde unter allen Völkern erhalten, ja, .viele feiner . Glieder zu großem Reichtum und Ansehen gebracht hat, doch wohl sich Israel gegenüber ins Unrecht gesetzt damit, daß er es nicht durch den frömmsten und weisesten Juden aller Zeiten, der die ganze Welt bewegt hat wie nie zuvor und noch immer bewegt, befreit, es,nicht von dem Joche der Römer erlöst hat!' Heiden haben zu vielen Millionen den Segen erfahren, der von dieseni frommen. Juden an himmlischen und irdischen Gütern ausgegangen ist, aber Israel wartet noch inimer vergeblich auf Erlösung und Freiheit. Hat wirklich der treue. Gott Unrecht? Als viele Jünger IEsu sich von diesem . abwandten, da er sich nicht hatte vom Volke zum Könige machen lassen wollen, da sprach IEsus zu den Zwölfen: „Wollt ihr. auch Weggehen?" Aber Petrus antwortete ihm im Namen aller: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben.geglaubt, und erkannt, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Ioh. 6, 66—69). Und das haben nun bald ^00 Jahrehindurch immer sich mehrende Tausende erkannt, daß in IEsu Worten ein Leben ist aus der Ewigkeit, aus Gottes Geist, und sind-deshalb von seinen Worten ergriffen wordendaß sie ihm.anhangen -und bei. ihm. bleiben mußten. Und wenn jetzt viele Israeliten IEsum um seiner Lehre willen lieben, und verehren, obwohl doch ihre Mater ihn als' einen Gotteslästerer gekreuzigt.haben: ist das nicht ein Beweis, wie gewaltig groß die Macht seiner Worte.ist, die über die vielen Jahrhunderte hinausreichend auch die bitterste Feindschaft besiegt? - IEsu Worte sind nicht, wie man uns entgegenhält, bloße Worte, sondern mächtige Thaten. Mit ihnen hat er in Gottes Kraft die Sünden vergeben, die Lahmen gehend, die Blinden sehend gemacht, alle Kranken geheilt, die bösen Geister ausgetrieben, Wind und Meer gestillt, die Toten auferweckt. Alle feine Thaten aber waren Thaten der mit aller Not, die er in Israel sah, mitleidenden Liebe.. Israel sollte es erfahren, daß der Immanuel, der Gottmituns, unter ihm wohnte, der aus aller Not erretten kann und will. Die Verlorenen in Israel zu sammeln und von allen Schäden des Leibes- und. der Seele zu heilen, war er gekommen. Und er hat Israel Treue gehalten, der gute Hirt und Arzt, Treue bis in den Tod. Als sein Leiden begann und er schwach zu sein schien, da war jeder Schritt seines schweren Leidensganges eine Heldenthat der Selbsthingabe für Israel und die Welt. Aus den perlen der Thränen, die er auf dem Älberge über Jerusalem weinte,, glänzte das tiefe Mitleid mit dieser