Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 11 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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er Israel nicht von dem Jochender Römer befreit Habe. Aber die ^offenbar immer mehr zunehmende günstige, ja, bewundernde Meinung, iöic man von 3<£fu Persönlichkeit gewonnen h«it, so daß z. B. Max Nordau ihn als ein Rind des echt jüdischen Geistes beansprucht, hat doch dahin geführt, daß man den Tod JEsu als ein Verbrechen ansieht. Wie reimt sich beides mit einander? JEsus ist doch gerade darum zum Tode verurteilt worden, weil er auf die Aufforderung des Hohenpriesters Aaiphas: „Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest, ob Du seist Lhristus, der Lohn Gottes," geantwortet hatte: „Du sagest es. Doch sage ich euch: Von nun an wird es geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Lohn sitzen zur Rechten der Urast und kommen in den Molken des Fimmels." Diese Morte, mit welchen er sich offenbar auf Dan. 7, (3 u. 1^ und Ps. ((0, \ bezog, berichten einstimmig Matthäus (26, 63 f.), Markus und Lukas. Und dem Pontius Pilatus hat er darnach auf dessen Frage: „Bist Du der Juden Uönig?" wiederum geantwortet: „Du sagst es" (Mark. (5, 2; Joh. (8, 57). hat er sich mit solcher Antwort nicht eine zum wenigsten gottähnliche Mürde beigelegt? Mie konnte dieser Mann, der gebunden, verhöhnt und geschlagen vor dem Gerichte stand, sich anmaßen, der Erlöser Israels, der einst vom Himmel kommende Erfüller aller Verheißungen zu sein? Er will der Befreier sein und duldet hohn und Schmach? Der offenbare Augenschein war gegen ihn. Mas bedurften sie weiter Zeugnis? „Er hat Gott gelästert. Er ist des Todes schuldig." So lautete daher das Urteil. Es waren durchaus nicht schwachmütige Männer, die solches Urteil fällten, sondern in ihrer Art charaktervolle Leute, die sich in ihrem Urteil nicht beirren ließen durch das mancherlei Munderbare, das sie von ihm gesehen und gehört, nicht durch die unzähligen Mohlthaten, die er seinem Volke erwiesen, auch nicht durch Morte hoher Meisheit, die sie von ihm vernommen hatten, und die auch in ihrem Herzen nicht ohne Eindruck geblieben waren. Aber sie haßten JEsum wegen der scharfen, niederschmetternden Reden, mit denen er vor dem Volke auch sie gestrasb hatte, und waren darum parteiische Richter. Als sie nun durch seine eigene, beschworene Aussage die Genugthuung. hatten, zu sehen, daß er sich eine göttliche Ehre beilegte, da meinten sie mit ihrem Urteil Gott einen Dienst zu thun. hiermit erstickten sie das Gefühl der Ltlche in ihrem Gewissen, die seine Ltrafreden verursacht hatten. Mögen nun heutige Juden von diesen Ltichen in ihrem Gewissen nichts fühlen, JEsum auch nicht hassen, sondern ihn vielmehr um seiner Meisheit und Menschenfreundlichkeit willen in gewissem Grade verehren: müssen sie, wenn sie dabei bleiben, er sei nicht der Messias gewesen, wenn sie es ernst nehmen, nicht auch bekennen: Das Urteil des Lanhedrin war der Lache nach gerecht? Religiös, moralisch, politisch betrachtet, muß von diesem Standpunkte aus der Eid JEsu durchaus verurteilt werden, und vor allen ernsten Beurteiler» muß bei demselben das hohe, reine Bild, das sie sich etwa sonst von JEsu gemacht haben, schwinden. Oder man muß bekennen:-