Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 11 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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W-M ♦ Ein Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Wr. 11. — 56. Jahrgang. — 1800. AllHatL: Jüdische Bedenken gegenüber den! Christentum. — 2lus dem 92. Jahresbericht der £. I.-M. — Am Grabe eines jungen Missionars. — Zwei Stimmen über den wert der Bibel. — Ein Traum und s ine Deutung. Jüdische Bedenken gegenüber dem Christentum. (Fortsetzung.) Wie kann sodann Religion überhaupt anders gelehrt werden denn als eine bestimmte positive Religion? Religion ist wirkliches, ganzes Leben, das wohl aufgezeigt und als thatsächliches erwiesen und beschrieben werden, aber nicht im Kopfe ersonnen werden kann wie ein bloßes Gedankending. Man kann nicht Obst auf dem Markte kaufen, wenn man sich weigert, jedes bestimmte Obst, Kirschen, Pflaumen, Apfel, Birnen u. s. w., anzunehmen. Alles wirklich religiöse Empfinden, das zur Gottesverehrung treibt, stammt nicht aus unserm eigenen Kopfe, sondern ist uns überliefert. Vor allem ist die geoffenbarte Religion, die Religion der Bibel, überliefertes Leben, und zwar, wo sie wirklich vorhanden ist, heiliges, göttliches Leben auf verschiedenen Stufen, wie ja alles wirkliche Leben stufenweise sich entwickelt, wobei freilich manches auf der unteren Stufe bleibt, dann aber auch im Absterben begriffen ist, wenn es nicht durch günstige Einflüsse neu erweckt wird: eine Hoffnung, die wir aufgrund des Wortes Gottes von dem Judentums haben. Wie kann man da meinen, man könne Religion haben und lehren, ohne die bestimmte Art des religiösen Lebens hervortreten zu lassen? Da hat man wohl Gedanken über Religion, aber nicht Religion selbst, nicht religiöses Leben. Alle Abstraktionen von der Religion mit der Einbildung, man habe dabei wirkliche Religion, führen notwendig zur Vernichtung alles religiösen Lebens. Man bekommt kein wirkliches Obst, sondern nur das Abstraktum davon, das leere Nichts. Wehe der armen konfessions- oder gar religionslosen Schulei Religiöses Leben, das doch alles heiligen und Gott angenehm machen muß, kann in ihr nicht herrschen. Was nun die Hauptfrage, die Frage nach der Messianität IEsu, betrifft, so zeigen die Einwendungen, die von gebildeten Ariden gegen das Ehristentum erhoben werden, hierin eine gewisse Unsicherheit. Teilweise mag das daher kommen, weil der Messias als Person aus ihrem Gedankenkreise zurückgetreten ist und das Volk Israel seine Stelle eingenommen hat. Aber auch da, wo das nicht d^r Fall ist> tritt jene Unsicherheit hervor. Zwar hält man noch immer einhellig an der Meinung fest, daß IEsus nicht der Messias gewesen sei, weil