Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 9 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hin Glückskind. Sie war im Leben nie reich gewesen und hatte doch je länger, desto mehr reich gemacht, denn sie war reich in der Liebe und war erfinderisch durch sie. Sie brauchte wenig, darum hatte sie immer etwas übrig. Wohlthun war ihr eine Lust, darum konnte sie auch bei beschränkten Mitteln immer noch etwas abgeben. An ihrem Fenster blühten Geranien und Monatsrosen, Frühlings- und Passionsblumen, und auf ihrem Herzensacker blühte die Passionsblume der dankbaren Liebe. Ihre Leidenschaft hieß: liebhaben, und ihre Sonne hieß: die Gnade. In dieser Sonne war sie voll Licht'und voll Sonnenschein, diese vertrieb ihr der Sünde und des Todes Nacht; so wurden ihr auch die finstern Tage licht, und wer zu ihr eintrat, der meinte: Hier wohnt und weilt das Glück. Sie starb in seligem Frieden, klaglos und freudevoll zu dem gehend, den ihre Seele lieb hatte. Ihr^Totenkleid lag am rechten Ort, und zu ihrem Begräbnis hatte sie alles bestimmt. "Lin schlichter Sarg nahm ihre sterbliche Hülle auf, ihre letzten, Rosen lagen in ihren Händen und unter denselben ihr altes Bibelbuch. Als sie nun im Toten-Kämmerlein ruhte, gings nach ihrer Bestimmung ans verteilen der Erbschaft. Gold und Silber hinterließ sie nicht. Lin fast aufgetragener Trauring, ein goldenes Kreuzchen, das sie gerne trug, siel in die Hände ihrer Pflegerin, ihre wenigen Kleider erhielt eine arme, brave Näherin, ihre Wäsche siel einem Krankenhause zu, eine Truhe mit Inhalt armen Kindern. Als man die Truhe öffnete, fand sich viel sorgsame Arbeit, welche für Kinder und Arme nach und nach gefertigt war. Strümpfe, Schürzen, Röcke, Tücher und ähnliches. Oben in der Truhe lag ein Zettel, darauf stand geschrieben: Meinen Armen zum Andenken an ihre arme reiche Freundin. (Blätter a. d. Diakonissenhause zu Halle a. S.) Professor S. Keegard in Kopenhagen schreibt in der zweiten Auflage seiner Pädagogik:. „Durch die Erfahrung des Lebens in seinen Leiden und Schmerzen ist meine Seele erschüttert und das Fundament, auf dem ich früher glaubte bauen zu können, zertrümmert worden. In aufrichtigen Glauben an die Herrlichkeit der Wissenschaft glaubte ich für alle Fälle in ihr einen sichern Ruheort gefunden zu haben. Diese Einbildung ist mir vergangen, denn als bas Gewitter kam und mein Gewissen in Trauer gehüllt wurde, da rissen die morschen Seile der Wissenschaft wie Fäden. Da ergriff ich die Hilfe, die viele vor mir ergriffen haben: ich suchte und fand Frieden im Glauben an Gott. Seither habe ich zwar die Wissenschaft nicht aufgegeben, wohl aber ihr einen andern Platz in meinem Leben angewiesen, wenn es vor dem innern Blick finster wird uno jede Hoffnung zu erlöschen scheint, so hat man nach meiner festen Überzeugung nur Linen Ankerplatz:,den einfältigen, aber lebendigen Christenglauben. Glücklich der, der es nicht zum Äußersten kommen läßt, sondern seinen Anker beizeiten auf festen Grund auswirftl" Judentum, ßhristentum, Wettretigion. Das Hauptdogma des Judentums der Gegenwart ist die natürliche Vortrefflichkeit des jüdischen Volkes und die religiöse vollgenugsamkeit der jüdischen Religion. Daraus zieht man jüdischerseits den Schluß, daß Israel unter die Völker zerstreut werden mußte, um eine Mission nicht nur auf dem Gebiete der Kultur, sondern auch auf dem der Religion zu erfüllen. Israel solle dem jüdischen Glauben an den Linzig-Einen, als der allein reinen Gottesidee, und dem Gedanken der allgemeinen Menschenliebe zum Siege verhelfen. Man glaubt Grund zu haben zu der Annahine. daß diese Mission schon halb erfüllt ist, und hofft auf schließlichen Sieg des Judentums. Daher ist Anlaß, diese Ansprüche von christlicher Seite ernster und eingehender Prüfung zu unterziehen. Denn die Gebildeten unter den Juden haben sich unter dem Einfluß der eben erwähnten Gedanken daran gewöhnt, das Christentum als eine minderwertige Religion anzusehen, gegen die sich zu verschließen für sie Pflicht sei. Ebenso kommt es vor, daß Christen, in Unkenntnis über die Geschichte, in Unkenntnis auch über das Judentum wie über ihre eigene Religion, diesen jüdischen, mit großer Zuversicht vorgetragenen Anschauungen ohne das rechte Urteil und ohne die Möglichkeit der Widerlegung gegenüberstehen. Daher setzt die Unterzeichnete Gesellschaft zunächst 500 Mk. aus für die Bearbeitung des Themas „Judentum,