Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 9 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 In der Bibel finden wir weiter den lebendigen Gott. Das kann janicht anders fein. Wenn wir den Menschen recht erkennen als den, der zu Gott gehört, so giebt es keine rechte Menschenerkenntnis ohne Gotteserkenntnis. In der Bibel finden wir den lebendigen Gott in seiner vollen Wahrheit. Wir leugnen nicht, daß er in der Natur zu uns redet durch die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Fimmel. Wir wissen, daß er heute noch die Geschicke der Völker lenkt. In ihm leben, weben und sind wir, aber wenn wir wissen, daß Gott die Welt durchwaltet, wenn wir spüren, daß nach seinen heiligen Gesetzen die Gerichte und Gnadenführungen heute noch in der Geschichte sich vollziehen: wer lehrt uns die Gedanken Gottes verstehen? Woher wollen wir wissen, daß er Gedanken des Friedens über uns hat und nicht Gedanken des Leides? Wer unter den Geschichtskundigen wagt, Gott nach dem zu messen, was heute in China und Afrika geschieht? Da heißt es doch immer: Du bist ein verborgener Gott. Gott ist der Gott der Geschichte, aber Lines Volkes Geschichte ist -och vor allem die Geschichte Gottes mit den Menschen: die Geschichte des Volkes Israel bis zu der Zeit, da er selber zu den Menschen als Mensch kam in seinem Sohn. Diese Geschichte haben wir allein in unserer Bibel. Nicht eine magere Lehre von Gott, sondern den lebendigen Gott selbst in seinem Walten haben wir in seinem Wort. Wir erkennen hier: im stillen, sanften Säuseln der barmherzigen Liebe kommt Gott zu den Menschen. Wollen wir ihn so verstehen, dann müssen wir Zwiesprache halten mit Abraham und Mose, in stillen Stunden Zusammensein mit Iesaia und Ieremia. Wer sich in diese Bücher versenkt, der spürt etwas von dem lebendigen Gott, etwas Rlares, Lichtes. Lr erkennt ihn als den heiligen Richter, aber auch als den Vater, der Geduld hat mit seinen Rindern, bis er bei uns Wohnung machen kann. So spüren wir in der hl. Schrift den Herzschlag Gottes selbst. Hier ist Gott gegenwärtig. Lr dringt auf mich ein, demütigt und erhebt mich. Zuletzt spiegelt sich sein Bild im Angesicht ILsu Lhristi. In ihm wissen wir, daß der lebendige Gott die allmächtige, treue Liebe des Vaters zu den Rindern ist. Wer mit Christo handelt, bedarf keiner Beweise dafür, daß Gott hier mit ihm handelt. So finden wir in der Bibel den lebendigen Gott so, wie wir ihn brauchen, wie er den verlorenen Sündern entgegenkommt in ILsu Christo. Nirgends finden wir ihn so wie in der Bibel. Lin Jahrtausend hatte die Christenheit ihren gnädigen Gott trotz der Bischöfe, des Papstes, der Rirchenversammlungen verloren, weil das Licht der hl. Schrift nicht mehr leuchtete. Mit dem Licht der Bibel haben die Reformatoren die Irrtümer verscheucht. In der Bibel finden wir endlich die selige Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Wenn wir den lebendigen Gott finden, so kommen wir wieder bei ILsu Christo an, in dem Gott Fleisch geworden ist. In ihm ist Gott und Mensch eine lebendige Linheit, der Auellpunkt, von dem aus auch wir zur Gemeinschaft mit Gott gelangen können. Gott ist in ILsu zu uns gekommen, weil er in seiner erbarmenden Liebe uns retten will. Aber zeugt das Rreuz