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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 9 (1900) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
9 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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68 verging lange Zeit, da erschien der Sohn jener Familie bei A., um ihm zu sagen, daß er Ehrist werden wolle. Seine Großmutter war inzwischen gestorben. Seine Mutter aber hatte eine schwere Arankheit durchgemacht und während derselben sehr ernstlich um die Bekehrung ihres Sohnes gebetet. Dies Gebet der scheinbar dem Tode verfallenen Mutter hatte den Jüngling bewogen,, das N. T. zu durchforschen, und endlich dem Missionar zugeführt. Als der junge Israelit A. zum ersten Male besuchte, wußte nur sein Vater von der Sache. Er fürchtete durch eine Mitteilung seiner Absichten die kranke Mutter zu sehr aufzuregen. Später aber machte er sie allmählich mit denselben bekannt. Die Mutter nahm die Nachricht von der Erhörung ihres Gebetes mit großer Freude auf. Sie dankt jetzt Gott dafür, daß ihr Sohn zum Banner Ehristi geschworen hat. Was finden wir in der Bibel? In der Bibel finden wir den Menschen. Die Fülle des Menschendaseins in allen Lagen des Lebens, auf den Höhen und in den Tiefen, in Freud' und Leid, wird in ihr vor uns ausgebreitet. Aönige und Sklaven, Priester und Propheten, Männer und Frauen, Ainder und Greise, Gerechte und Ungerechte treten uns entgegen. Mir sehen die Menschen in ungeschminkter Wahrheit. Mir blicken hinein in die innersten Triebräder ihres Handelns und Empfindens: vom Sehnen des Herzens nach Gott bis zur Verzweiflung des Gottlosen und dem stillen Frieden des versöhnten Gotteskindes. Mir finden in ihnen uns selbst. Auch unter der Uönigskrone eines David erkenne ich mein Herz. Mas in seinem Kerzen schlägt, ist auch mein Herzschlag, ja, der Herzschlag von uns allen. Mas in jenen Kerzen jubelt, trauert und trotzt, das jubelt, trauert und trotzt auch in unsern Kerzen. Mie kommt das? Meil die Bibel alle Menschen an ihrer tiefsten Murzel erfaßt. Mir finden in ihr alle Menschen in ihrem Verhältnis zu Gott. 'Die hl. Schrift lehrt uns den Menschen verstehen als den, der zu Gott geschaffen ist, der Gott verloren und darum Unruhe hat, bis er Gott wiederfindet. Sie lehrt, daß der Mensch nicht ohne Gott sein kann, ob er für oder wider Gott ist. So lernen wir in ihr uns selbst kennen. Solche sind wir, die wie jene beten: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir einen neuen, gewissen Geist!'* Darum können wir mit jenen nach Jahrtausenden jubilieren: „Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat!" Mir sind als Menschen von Gott und zu Gott geschaffen, und nur wenn der HErr unser Hirte ist, wissen wir, daß uns nichts mangeln wird. Das sind die Großen der Menschheit, die Gott gefunden. Darum geht von ihrem Leben ein ewiger Anstoß aus bis auf unser Leben. Jetzt wissen wir: Wir sind solche, die nicht Ruhe finden, bis sie Gott gefunden haben. Mir finden in der Bibel den Menschen auch, wie er vollkommen ist in unserm HErrn IEsu Ehristo. Den zeigt uns das Buch des neuen Bundes. Ihn haben wir als einen Spiegel dessen, wozu wir geschaffen sind, was wir nicht mehr sind, aber werden sollen.

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