Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 7 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 unser aller Los, und nach einem glücklichen Leben satt und müde in den ewigen Schlaf zu fallen, als Atom zu zerfließen im ewig schaffenden All: ist das denn ein so hartes Los? Und zum Unglauben gesellt sich der weltselige Sinn und spricht: Recht sol Man muß garnicht fragen: Was wird einst werden? Hinweg mit aller Sorge um die Zukunft I Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot! Das ist der Standpunkt der Welt zum großen Todesrätsel. Der Theist aber kennt eine andere Lösung. Jesus spricht: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten (Ioh. 2). Also giebt es doch noch ein Zukünftiges, ein Weiterleben in der Ewigkeit, ein Vaterhaus! Wie umfängt uns dies Wort mit seinem trauten Alang! Euer Herz erschrecke nicht. Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. In des Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wo ist dies Vaterhaus zu suchen? Hinter dem lichten Blau des Himmels? Hinter dem nächtlichen Firmament oder auf einer der zahllosen Sternenwelten? Aein Menschenauge hat es je gesehen, kein Fernrohr kann es entdecken, es gehört nicht zu dieser sichtbaren Schöpfung, es ist ein Haus ohne Bausteine und Pfeiler. Das Vaterhaus ist die Summe aller Seligkeit, der Inbegriff aller Vollkommenheit, es ist das Ziel unserer Reise, die Erfüllung aller Gottesverheißungen. Und wer giebt uns die Gewißheit dieser wunderbaren Lehre? Er selbst, der dies Wort gesprochen hat. Wo ist ein Mensch, der aus sich selbst es wagen durfte, so zu reden: In meines Vaters Hause? Aber er darf es, er kennt dies Haus, er hats gesagt: Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Und diese Worte hat er bestätigt durch das Zeugnis seines Lebens und Sterbens. Er hat von dieser Welt nichts begehrt und steht doch größer da in der Welt als alle andern. Er besitzt den Frieden, nach dem wir suchen. Er trägt die innere Harmonie und Vollkommenheit, nach der wir ringen. Er wandelt auf Erden, und ihn umleuchtet doch der Glanz einer andern Welt. Er ist ein Sohn des Himmels, ein Bote aus dem Vaterhaus. Er geht vor uns hin, uns die Stätte zu bereiten. In seines Vaters Hause sind viele Wohnungen, da werden alle Platz haben, die zahllosen Geschlechter, die dahingingen und noch heraufsteigen werden. Im Vaterhause Wohnungen! Also ist unser Fortleben in der Ewigkeit kein unpersönliches, unbewußtes Dasein, kein Verschweben und Verschwimmen im weiten, öden schrankenlosen All, sondern durch jenes Wort wird uns ein persönliches Weiterleben verbürgt. Wir werden wohnen im Hause des Vaters, und jeder wird der besondere Gegenstand seiner Liebe und von ihrer Macht umschlossen, von ihrem Licht bestrahlt und im Genüsse ihrer Fülle selig sein. Das ist christliche Glaubensgewißheit angesichts des Todesrätsels. Wohl jedem, der diese Lösung gefunden hat und sich ihrer getröstet! Wir haben hier keine bleibende Stadt. Ein Tag sagt es dem andern: Mein Leben, ist ein Wandern zur großen Ewigkeit! Selig sind, die nach ihr Heimweh haben, seliger, die sich aufmachen