Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 7 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ibre Wmelh. Cm Monatsblatt für Israeliten und Freunde Israels. Nr. 7. — 56. Jahrgang. — 1900. Anhalt: Das Todesrätsel und seine Lösung. — Das 92. Iahresfest der L. I.-M. — William Fleming. — Der 200. Geburtstag des Grafen von Ziiizendorf. — Zu Markus t, \3. — Zu Pfalm 2, 6. — Zum Nachdenken. — Aussprüche von Joseph Nabinowitsch. Das Todesrätsel und seine Lösung. Unter den vielen Welträtseln, die uns umgeben, steht in der ersten Reihe der Tod. Was ist der Tod? Ist er das Ende des Lebens? Ist er nicht nur der Zerfall unseres leiblichen Organismus, sondern auch das völlige Erlöschen unseres geistigen Bewußtseins? Dann ließe er sich zur Not ertragen. Doch hat dies noch keiner bewiesen, vieles spricht dagegen. Die Ungewißheit bleibt bestehen. Was wird aus uns, wenn die Augen brechen und die pulse stocken und die Finsternis uns umnachtet? Das bleibt die Frage, an der keiner leicht vorüberkommt. Was wird aus uns? so fragt die Neugier. Sie möchte den Schleier lüften, sie horcht hierhin und dorthin, sie klopft an die Pforte , der Geisterwelt, aber die Ungewißheit bleibt bestehen. Was wird aus uns? so fragt mit mehr Ernst die Wißbegier, die sich darauf beruft, daß Gott uns den Verstand verliehen habe, um die Geheimnisse der Welt zu ergründen. Aber auch sie muß halt machen am Rande des Totenreiches, auch sie kommt zu dem Schluffe: Wir wissen es nicht und werden es nicht wissen. Wie wird es? so fragt mil Bangen die Schuld des Wenschenherzens, die auf ein verfehltes Leben zurückblickt und sich des Wortes erinnert: Es ist dem Wenschen gesetzt zu sterben und danach das Gericht. Wie wird es? so fragt mit Sehnen die Wutter, die trauernd zum Gottesacker schreitet und sich des Glaubens getröstet, das Lächeln ihres heimgerufenen Aindes nicht zum letzten Wal gesehen zu haben? In wieviel Variationen ließe sich diese Frage wiederholen! Nicht geringer an Zahl sind vielleicht die Antworten darauf. Giebt es überhaupt ein Fortleben, eine Ewigkeit? so setzt der Zweifel leise ein. Wenn noch keiner hinübersah in das Jenseits, wenn keiner davon etwas Gewisses zu sagen weiß, kann man noch etwas davon halten? Und zum Zweifel gesellt sich der ungläubige Sinn und spricht: Was redet man von einem künftigen Sein? Ejiet ist unsere Welt, hier ist das Paradies. Seht die Erde, wie schön sie dafteht im Frühlingsschmuck! Seht überall dies mächtige Arbeiten, Ringen und Bezwingen der Natur, überall Fortschritt, Entwicklung! Freilich ist manches noch fehlerhaft, aber die Welt wird immer harmonischer werden. Und wenn der Tod uns naht: nun, das ist