Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 6 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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§7 Mittelpunktes, des Tempels mit seinen Opfern und seinen Gottesdiensten, verlustig gegangen. Fremden Königen und Fürsten müssen sie dienen und, wenn sie auch Ln den letzten Jahrzehnten mehr heimatsrecht unter fremden Völkern erlangt haben, doch immer wieder erfahren, daß sie nur ungern geduldet sind. In religiöser Einsicht aber macht es sich je länger, je mehr bemerkbar, daß nicht nur das gemeinsame Heiligtum, sondern auch die innere Einigkeit und Einheit verloren gegangen ist. Wohl scheint das Bekenntnis zu dem Linzig-Linen, dem Gott der Welt, noch ein solches Linheitsband zu sein, aber es ist in der That keines mehr, da über das Wesen dieses Gottes die Ansichten bei ihnen oft weit auseinandergehen. Ls kann ja auch nicht anders sein, da nur, wer den Sohn kennt, auch den Vater recht zu kennen vermag. Und das ist ja der Grund von Israels Unglück, daß es den Sohn, der zu Israels und der Welt Erlösung gesandt war, nicht erkannt hat. wird es einmal Zanders werden? Ja, wir dürfen es hoffen nach des Propheten Wort. Dies Wort sagt uns, daß es anders werden wird, daß Israel wieder den Herrn, seinen Gott, kennen und ehren und seinem rechten König David, d. i. dem Davidsföhne JLsus Christus, dienen wird; aber es sagt uns auch, wie dies geschehen wird, nämlich dadurch allein, daß sich Israel bekehrt, daß es eine innere Umwandlung und Erneuerung erlebt, indem es endlich erkennt, was der Grund seiner langen Zerstreuung und all seines Unglücks ist, und sich reuig zu JLsu Füßen wirft mit dem Bußgebet: „JEsu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner." Ls geht jetzt eine Bewegung durch das jüdische Volk, welche das Ziel im Auge hat, dem Volk wieder eine rechtliche, allgemein anerkannte Heimstätte in Palästina zu verschaffen. Wir zweifeln daran, daß das Volk auf diesem Wege zu seinem Ziele kommt. Gott der HLrr hat da auch ein Wort mitzureden. Aber dennoch freuen wir uns dieser Bewegung und hoffen, daß sie durch Gottes Leitung dem Volke zum wahren Segen sein wird. Das Erwachen des Nationalbewußseins öffnet den Blick für die .Volksgeschichte, und die Beschäftigung mit dieser Geschichte kann, wenn sie vom ernsten Streben nach Wahrheit getragen ist, zur Erkenntnis der Schuld Israels führen helfen. Uns aber legt diese Bewegung im jüdischen Volk die Pflicht doppelt aufs Herz, zu helfen, daß Israel zur innerlichen Umkehr und Erneuerung komme, es dem einzelnen Juden zu sagen.und es ins Volk hineinzurufen, daß ihm nur geholfen werden kann für Zeit und Ewigkeit, wenn es JEsum im Glauben als seinen HEiland ergreift. Nicht haß und Verachtung gegen Israel, sondern barmherziges Mitleid mit diesem Volk ziemt uns, wenn wir rechte Jünger JLsu sein wollen. Dies Mitleid soll sich auch darin zeigen (und dadurch wird es zugleich immer, neue Nahruug empfangen), daß wir für Israel beten, sei es für das Volk im allgemeinen, sei es für das einzelne Glied des Volkes, welches wir gerade kennen, mit dem wir in Beziehung stehen. (Aus dem Flugblatt des Centralvereins f. M. u. I. zum jo. 5. n. Tr. $99.) Zn Mat. 5, 5. Der Berliner Prediger Gustav Knak (ch *878) saß mit seinem Amtsgenoffen Büchse! in einem Postwagen, als noch drei Herren, dem Anscheine nach reisende Kaufleute, einstiegen. Kaum hatten diese die beiden Prediger bemerkt, da fingen sie an, über Gott, Bibel und Christentum zu spotten und zu höhnen. Ehe Knaks Begleiter mit Blitz und Donner dreinfahren konnte, fragte jener selbst in der freundlichsten weise die neuen Fahrgäste: „Meine lieben Herren, haben wir Sie vielleicht mit irgend etwas beleidigt und gekränkt?" Die Antwort fiel verneinend aus. Da fragte Knak weiter: „warum suchen Sie uns denn in dem zu kränken, was uns das Teuerste auf Erden ist?" Die Spötter schwiegen verlegen still. Dann aber reichte der, welchen am lautesten gespottet hatte, Knak die Hand und sagte: „verzeihen Sie, Herr Pastor! Ls soll nicht wieder Vorkommen." hierauf wurde noch , manches gute und auch ernste Wort gewechselt. Endlich trennten sich die Fünf als Freunde. Ein schlagendes Wort, eine scharfe Abfertigung kann die Feinde wohl zum Schweigen bringen, aber ihre Herzen gewinnen und vielleicht für die Ewigkeit retten kann nur Sanftmut. Dies Urteil fällte später Knaks Freund, Büchsel, beim Rückblick auf den obigen Vorfall.