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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 6 (1900) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
6 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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48 Urteile Kants üver die Miöet wurden schon früher in den D. L. mitgeteilt. Dieselben waren einem Briefe des Königsberger Philosophen an den Pariser Abbe Sieyes vom Jahre ^796 entnommen. Manchem Leser wird es lieb sein, ihren vollständigen Wortlaut und Zusammenhang kennen zu lernen. Daher geben wir sie hier ausführlich wieder. Kant schrieb: „Die Bibel ist das Buch, dessen Inhalt selbst von seinem göttlichen Ursprung zeugt. Es enthält die Geschichte der Welt, die Geschichte der göttlichen Vorsehung von Anfang an durch alle Ieitfolgen bis an die große Abänderung aller erschaffenen Dinge, ja, bis in die Ewigkeit hinein. Sie einzig enthält die Weltgeschichte in einem gewissen Zusammenhänge, ob sie sich gleich in gewissem verstände nur mit einzelnen Personen, Familien und Völkerschaften abgiebt. Die Bibel ist recht eigentlich zu unserem Behufs eingerichtet, die wir zu Sündern gewordene Geschöpfe sind; sie zeigt uns, in welchem Verhältnis wir mit dem gerechten und gnädigen Gott stehen. Sie entdeckt uns die Größe unserer Verschuldung und die Tiefe unseres Falls in der Größe der Rettnngsanstalt und Ausführung derselben. Dabei wird Gott uns gezeigt, wie ihn sonst vielleicht die erhabensten Engel nie gekannt hätten. Die Bibel ist mein edelster Schatz, ohne welchen ich elend wäre. Zuverlässige Regeln, wie Menschen und ganze Staaten zu aller möglichen Glückseligkeit gelangen können, sind nur in der Bibel zu finden. Richtet euch nach der Anweisung der Bibel ein, so werdet ihr zu Bürgern eines euch treulich versorgenden Vaterlandes werden, ja, nicht nur das Vaterland eurer Mitbürger, sondern auch alle Lrdenbewohner werdet ihr brüderlich lieben und euch ihre Gegenliebe zu versprechen haben. Ich setze den Fall, ein Land bestehe aus lauter solchen Bewohnern, die sich fest entschlossen und vor Gott verpflichtet haben, sich nach allen Anweisungen der Bibel zu richten. Jeder bewacht da seine Seele, seinen verstand und sein Herz beständig und auf das gewissenhafteste; er unterdrückt mit dem Beistände des heiligen Geistes, um den er täglich bittet, jede in ihm aufsteigende böse Begierde; so sehr er sich selbst liebt, liebt er auch alle Menschen; ermuntert sie zu allem Guten und nimmt mit Dank Vorstellungen und Ermahnungen an; er befleißigt sich, auf den Fußtapfen des großen göttlichen Weltheilandes zu gehen; er weiß, das gegenwärtige Leben sei Vorbereitung auf ewige Glückseligkeit; er ist überzeugt, dem Menschen werde in Zukunft nach seinem Verhalten vergolten werden; er hat aus Erfahrung gelernt, Fleiß und Arbeitsamkeit sei dem Menschen heilsam und deswegen von Gott eingeschärft, von Gott, der auch schon im Zeitlichen dem Menschen viel Gutes zufließen läßt und an einem fröhlichen und dankbaren Genüsse sein Wohlgefallen hat; er hält es für Pflicht, alle von Gott erhaltenen Leibes- und Geistesgaben getreulich anzuwenden, auch zum allgemeinen Besten; er sieht sich an als Nachahmer Gottes, wenn er den Bedürfnissen seiner Mitmenschen auf alle mögliche Weise abhilft." Kin frommer Jude. Als einen solchen hat sich kürzlich nach den Angaben einer englischen Zeitung der reiche Baron Oppenheim erzeigt. Er befand sich an Bord des gestrandeten Dampfers „Paris" und wurde mit den übrigen Fahrgästen gerettet. Ehe diese sich von einander verabschiedeten, gaben sie ihrer Dankbarkeit gegenüber den Offizieren und der Mannschaft des untergegangenen Schiffes Ausdruck. Sie dankten der Besatzung schriftlich für die Mannszucht, Tapferkeit und hilfsbereite Ausdauer, die sie bewiesen hatte. Nachdem diese Dankesbeschlüsse gefaßt waren, erhob sich der genannte Baron und richtete eine ergreifende Ansprache an die versammelten. „Diese Beschlüsse," sagte er, „umfassen den Kapitän, die ihm untergeordneten Offiziere, die Proviantverwalter, die Köche und die Mannschaft. Aber den einen, dem jeder unmittelbar seine Erhaltung verdankt, Gott, habe ich nicht nennen hören. Wir sind hier beisammen als Leute von mancherlei Glauben. Ich will auch nicht zu einem laut gesprochenen Gebet auffordern. Aber ich schlage vor, daß wir in stiller Dankbarkeit das Haupt vor unserem gemeinsamen Beschützer neigen." Möge der schöne Name „Jude" (*. Mose 29,35) von seinen Trägern recht oft in solcher weise zu Ehren gebracht werden! Herausgeber: Prediger w. Becker, Friedenau-Berlin, Hauffstraße *3. Verlag: Goßnersche Missionsbuchhandlung, Friedenau-Berlin. Jahrespreis: 80 Pf. Druck von 3. Windolff, Berlin S.W., Lharlottenstraße 88.

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