Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 6 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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hatte er stets aufrechtzuhalten gesucht. Auf seinen Grabstein setzte man den Nachruf: „In Wort und Leben trat IEsu Lieb' hervor. Drum fingt er jetzt sein Lied von Gott im höhern Chor." Eine ausführliche Beschreibung dieses proselytenlebens erschien in der „Rheinischen Traube" von f89l und 92. Wie der Biograph, Herr Prediger Scheve, uns gütigst mitteilt, hat Aöbner auch an einzelnen Israeliten, u. a. an einem leiblichen Bruder, im Segen gearbeitet. Gelegentlich stellten sich auch bei seinen predigten jüdische Zuhörer ein. Aus Köbners Schrift über die Herrlichkeit der «euteftamentlichen Gemeine. Alle kritischen Anstrengungen können der Glaubwürdigkeit des Alten Testaments nichts nehmen, sie aber auch nicht vergrößern, denn sie beruht auf einer alles entscheidenden Thatsache. Thristus hat nämlich die göttliche Autorität des A. T. anerkannt. Das A. T. ist der herrlichste Rosenstrauch, das N. T. die aus demselben erblühte, unvergleichliche Rose. Das A. T. ist der nächtliche Himmel, voll lieblich glänzender Sterne, dem der Tagesanbruch mit der rosigen und goldenen Pracht folgt, das N. T. der Mittagshimmel mit dem Licht einer ewig strahlenden, nie untergehenden Sonne. Das A. T. ist infolgedessen das Unvollendete und bis auf die noch nicht erfüllten Prophetieen ein Durchgangsstadium. Auch das Moralgesetz des A. T. ist die Einleitung und Vorbereitung zu dem vollkommen gereiften und entwickelten Moralgesetz des N. T. Letzteres ist nicht eine neue Schöpfung, vielmehr die aus dem Samenkorn gewordene, weitverzweigte Pflanze, oder der aus dem natürlichen Leib gewordene geistliche Leib. Beweise für die Unvollkommenheit des alten Moralgesetzes sind die Vielweiberei und die Ehescheidung. IEsus hat uns aber nicht bloß ein „Ich aber sage Euch" gegeben, sondern sein heiliges Leben war ein verkörpertes Moralgesetz, mit welchem sich alttestamentliche Schatten nicht messen konnten. Das A. T. ist für Christen die Fundgrube, aus der sie einen Erkenntnisschatz der Verheißungstrcue Gottes graben können, obgleich die herrlichsten Verheißungen, verglichen mit ihrer Erfüllung in Lhristo, nichts als schwache Schatten waren. Das A. T. zeigt uns auf dunkeim Hintergründe wunderbare Lichtgemälde von Gnadenwirkungen Gottes. Aber es ist dem Christen kein Gesetzbuch. Nur das N. T. bleibt Regel und Richtschnur für Glauben und Wandel des Thristen. Wenn man bedenkt, wie die Gemeine Christi sich in ein Zerrbild des Judentums umwandelte, begreift man den brennenden Eifer des Apostels Paulus gegen Vermischung des Judentums mit dem Christentum. Ist gleich die entfaltete Rose erzeugt von dem Rosenstrauch, so ist sie doch ein Neues. Die zarte Gestalt, die herrliche Farbe, der liebliche Geruch sind neu. An der Blume nimmt man die Dornen nicht wahr, welche am Strauche sich finden. Der Herr IEsus vergleicht das Alte, das vor ihm war, mit altem Wein, -er sich nicht mehr in Gärung befindet und darum auch in alten