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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 6 (1900) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
6 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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§2 Dagegen fand er am jüdischen Gottesdieyst keine Freude. Bei den hebräischen Gebeten, die er lesen, aber nicht verstehen gelernt hatte, richteten sich seine Gedanken immer wieder auf andere Dinge. Das Judentum erschien ihm als etwas Geistloses und Unnatürliches, Gott als ein fremdes, unfaßbares Wesen, das er nicht lieben konnte, obwohl er die Liebespflicht gegenüber seinem Schöpfer und Erhalter anerkannte. Einst fand er in einem Buch die Grundlehre der christlichen Uirche, daß IEsus Christus wahrer Mensch und Gott ist. Diese Behauptung drang tief in sein Inneres ein. Er sagte sich: „Wenn sie Wahrheit ist, kann ich Gott in Christo erfassen und lieben." Um sich Gewißheit zu verschaffen, bat er einen christlichen Freund um Aufschluß. Dieser aber, ein Vernunft-, nicht ein Bibelgläubiger, erklärte die Lehre von der Gottheit Christi für veraltet und unglaubwürdig. Der jüdische Knabe war anfangs ebenso erstaunt wie betrübt, als er einen Christen so über den ihm liebgewordenen Gegenstand reden hörte. Bald jedoch beruhigte er sich damit, daß sein Freund der Religion gleichgiltig gegenüberstehe und daß überhaupt ein Einzelner eine so wichtige Frage nicht entscheidend beantworten könne. Leine Hoffnung, daß die Gottheit Christi eine Wahrheit sein könne, gab er daher nicht auf. Nachdem er die Schule durchlaufen hatte, kam er zu einem Graveur in die Lehre. Im Alter von s8 Jahren ging er auf die Wanderschaft. Er wollte die Welt kennen lernen, aber auch außerhalb Dänemarks zum Christentum übertreten, welches er namentlich deshalb für eine vernünftigere und geistigere Religion hielt, weil seine Bekenner Gott nicht in einer ihnen unbekannten Sprache anbeten. Er reiste auf einem Schiff nach Lübeck. Hier erkundigte er sich alsbald nach einem christlichen Prediger. Man nannte ihm außer den lutherischen Geistlichen auch den reformierten Pastor, I)r. Geibel, den Vater des Dichters. Den letzteren suchte er auf. Als er Geibel die Frage vorlegte, die ihn schon jahrelang beschäftigte, und auf die in dem geistlich toten Odense kein Christ ihm befriedigend geantwortet hatte, hörte er das gewünschte Ja und Amen. Geibel bekannte sich mit ganzem Kerzen zu dem Glauben an die Gottheit Christi. Aber er führte seinen Besucher noch weiter in die Geheimnisse des Reiches Gottes ein. Er sprach von dem Zweck der Erscheinung des Sohnes Gottes: „Christus hat die Sünde, die uns sonst ins ewige Verderben gebracht hätte, auf sich genommen und durch seinen Areuzestod gesühnt." Er redete auch von dem Mittel, welches dem Menscheu zur Erlangung des Heils verhilft: „Der Glaube macht uns Christi Verdienst und Opfertod zu eigen und verschafft uns hierdurch Gerechtigkeit und Seligkeit." Der Jüngling brachte dieser Verkündigung keinerlei Einwände entgegen, sondern nahm sie mit freudiger Zustimmung auf. Er fand in ihr die Wahrheit zur Seligkeit, die er lauge gesucht hatte. Auf den ersten Besuch bei Geibel folgten weitere, die ihn in seiner christlichen Überzeugung noch mehr befestigter». Dennoch trat er in Lübeck der christlichen Airche noch nicht bei. Dies geschah erst am Zs. Juli s826 zu Hamburg, wohin er inzwischen übergesiedelt war. Bei der Taufe, welche Pastor Mutzenbecher in der lutherischen Petrikirche vollzog, nahm Aöbner die Namen

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