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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 5 (1900) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
5 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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39 Eatvin über seine Wekehrung. Nachdem mein Herz schon lange zubereitet war zur ernstesten Prüfung,, hak mir die volle Erkenntnis der Wahrheit mit einem Male wie ein Helles Licht den unaussprechlichen Abgrund der Verirrungen gezeigt, in dem ich mich gewälzt, die Sünde und Schande, mit der ich mich befleckt hatte. Lin Entsetzen ergriff meine Seele, da ich solches und das noch viel größere Elend, das mir bevorstand, wahrnahm. Und was blieb mir nun übrig, o HLrr, mir Elendem und verworfenem, als unter Thränen und seufzendem Flehen dem alten Leben zu entsagen, das Du gerichtet haltest, und mich hinüberzuflüchten auf Deinen weg? Gott hat diese Bekehrung plötzlich gewirkt, plötzlich mein Herz dem Gehorsam seines Willens unterworfen. Kändeks Hob. Als der große Tonkünstler Georg Friedrich Händel in London auf dem Sterbebette lag, ließ er sich von seinem Diener den y\. Psalm vorlesen. Nach Beendigung der Vorlesung sagte er: „Das war schön. Das ist Speise, die sättigt und erquickt." Dann verlangte er Kor. J5 zu hören. Einzelne Verse dieses Kapitels mußte der Diener zweimal lesen. Auch tröstete sich der Kranke mit dem Lieblingslied seiner Mutter: „Ich bin gewiß in meinem Glauben, der mich in Christum einverleibt, wer kann mir dieses Kleinod rauben, das mir sein Blut und Tod verschreibt. Sein teures Wort bekräftigt dies. Drum sagt mein Glaub': „Ich bin gewiß." während ihm das Lied aus dem Gesangbuch vorgelesen wurde, sprach er manche Worte, die er auswendig kannte, mit. Dann sagte er: „O, es ist doch eine schöne Sache, wenn jemand seines Glaubens so gewiß sein kann, wie herrlich ist die ev. Kirche mit ihrer predigt von der freien Gnade Gottes in Lhristo, als der Hoffnung des Sünders! Müßten wir uns auf unsere Werke verlassen — was sollte aus uns werden! was wir Gutes an uns haben, ist das nicht eine Gabe von Gott? was man aber geschenkt bekommen hat, darauf kann man doch nicht pochen,, als wäre es ein Verdienst. Und haben wir denn alles gethan, was wir thun konnten und sollten? Ach, daß Gott erbarm', wie vieles klagt wider uns! wenn das Wort von der Gnade nichts ist, dann ade, Hoffnung! Als ich noch jung war, hat man mich katholisch machen wollen. Herr, mein Gott, ich danke Dir, daß Du mir da beigestanden bist, daß ich nicht in das Netz gegangen bin, denn dann läge ich jetzt ohne Trost." Handels Todestag war, wie er es sich gewünscht hatte, ein Karfreitag: der *3. April 1(759. Der Anatom Joseph Kyrtt sagte *86^ in einer Rektoratsrede: „Sollte der unendliche Geist, der seinen willen allenthalben in Hellen Zügen niedergeschrieben, die Gefahr einer hoffnungslosen Sehnsucht, die nie befriedigt werden kann, in unser Herz gelegt haben? Hier steht die Wissenschaft am Ende ihres Forschens; es wird still im kühnsten Forschergeist. Der Glaube tritt in seine heiligen Rechte, der Glaube, den die Wissenschaft nicht widerlegen und nicht beweisen, dessen Gegenteil sie aber als nicht begründet in der Natur der Dinge darthun kann. Löscht dieses Himmelslicht aus, und der Selbstmord eurer Seele macht aus dem stolzen Mann der Welt nichts als ein Häuflein stickstofffreien Düngers für den Acker." Auf jüdischen Jlriedhöfen finden wir wohl Pracht und Reichtum an Denkmälern (Kunst und Dichtung schmücken die Grüfte), aber wir haben den Eindruck: Rückwärts allein richten sie den Blick, die hier an Gräbern weinen, trauernd um verlorenes, Unwiederbringliches. Line gebrochene Palme, auf den Grabstein gemeißelt, ein zertrümmerter Säulenstumpf, eine Urne, eine Sanduhr: das sind immer wiederkehrende Bilder, und die Inschriften sagen das Gleiche, wo ein ahnungsvoller Ton anklingt von einer Fortdauer nach dem Tode, da wird er so zaghaft ausgesprochen und verliert sich in so nebelhaftdämmernde Ferne, daß man von einem Lwigkeitsglauben, der den Tod überwindet, nichts spürt. Ist es da ein Wunder, wenn das jüdische Volk in Handelsgeschäftigkeit und Erwerbssinn, im Genuß- und Augenblicksleben anfgeht, wenn ihre Toten bloß reden von Schmerz um das vergangene? Dies Volk irrt in der.Fremde, in der Fremde des Erdenlebens, ohne sein himmlisches Zion zu finden. (Schles. Fam.-Bote.)

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