Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 4 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Noch möchte ich Luch folgendes Vorhalten, liebe Freunde aus Israel. Lhristus gehörte zunächst Luch an. Lr war ein Jude in des Wortes edelstem Sinne. Aber dieser Messias Israels war zugleich der größte Mann der Weltgeschichte. Vor ihm haben fick gebeugt Konstantin d. Gr., Karl d. Gr., Otto d. Gr., Richard Löwenherz, Gustav Adolf von Schweden, Napoleon I. auf St. Helena, Kaiser Wilhelm I. Vor ihm haben sich gebeugt Naturforscher wie Newton, Kepler, Kopernikus, Justus v. Liebig, der Mathematiker Blaise-Pascal, der Geschichtsschreiber Leopold v. Ranke, der Nationalökonom Wilhelm Roscher, Staatsmänner wie der Freiherr v. Stein, Bismarck, Roon, Künstler wie Rafael, Michel Angelo, Albrecht Dürer, palästrina, haendel, Bach, Thorwaldfen. Diese und viele andere große Geister haben die Hoheit und Herrlichkeit JLsu Lhristi willig anerkannt. Doch nicht darin besteht sein höchster Ruhm, daß so geistesgewaltige Männer vor ihm sich gebeugt haben, sondern darin, daß er sich der Armen und Llenden, die sonst keinen Helfer haben, erbarmt, daß er aus sündigen, verlorenen Menschen fröhliche, selige Gotteskinder macht und ihnen beisteht im Leben und im Sterben. Und diesen Mann, den größten, den liebreichsten Deines Volkes, verwirfst Du, o Israel! Was hat er Dir zu Leide gethan, daß Du Dich nun bald zwei Jahrtausende lang von ihm abwenden konntest? Ist er nicht während seines Lrdenwandels im jüdischen Lande umhergezogen, um wohlzu- Lhun? hat er nicht Kranke geheilt, Teufel ausgetrieben und die Geheimnisse des Reiches Gottes in herzandringender Rede verkündet? hat er nicht der trauernden Mutter den schon entschlafenen Sohn zurückgegeben, den gebeugten Lltern das Töchterlein und den Schwestern den Bruder, der schon vier Tage im Grabe gelegen war? hat er nicht sein Volk, insbesondere auch die Stadt Jerusalem, mit innigster Liebe umfaßt? hat er nicht um Jerusalem heiße Thränen geweint, da vor seinem Auge das furchtbare Gericht stand, das über Jerusalem wegen der Verwerfung des Messias Hereinbrechen mußte? hat er nicht fein Volk noch am Kreuze so herzlich geliebt, da von seinen Lippen das Wort ertönte: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun"? Wenn Ihr, meine Lieben, dies alles erwäget: könnt, dürft Ihr dann noch länger diesen Herrn, der Luch so gern in seine Gemeinschaft aufnehmen und Luch zum Vater führen möchte, verachten und verstoßen? O, bedenkt: Linst wandelt sich die unausdenkbare Liebe ILfu in unauslöschlichen Zorn, wenn man sich ihm nicht ergeben will! Darum befolget doch eilend die Mahnung Lures 2. Psalms: „Küsset den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkornmet auf den: Wege!" Lasset Luch reinigen,mit dem Blute des Lammes, das auf Golgatha geflossen ist, und stimmet dann mit uns ein in den Lobpreis der Lngel (Offb. 5, \2): „Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Lhre und Preis und Lob"! F. Seebaß.