Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 3 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2555115-2555118--10005-2566218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Herrlichkeit warten. Da mögen sie nicht das himmlische Leben selbstverleugnender Liebe, das der Lohn Gottes ihnen vom Himmel auf die Erde gebracht und durch Leiden, Sterben und Auferstehen bewährt hat, um ihnen im Leiden und Sterben dieser Welt Trost und himmlische Hoffnung zu geben und sie zu dem Reiche der himmlischen Herrlichkeit zu führen, zu dem Jerusalem, das droben ist. Ls giebt ja mancherlei Verirrungen auf dem Wege selbstverleugnender, der Welt entsagender Liebe und des Trachtens nach dem Himmelreich, den der HEiland uns vorangegangen ist; aber über solche Verirrungen als über „weinerliche Tugend" zu spotten, wie Hr. L. thut, haben diejenigen am wenigsten ein Recht, die nur die Erde wollen ihre Domäne sein lassen, weil sie für die Hoheit des geistigen und geistlichen Lebens und den tiefen Ernst, die sich in den mystischen Bewegungen, dem asketischen, mönchischen Leben, dem Pietismus zeigen, kein Verständnis haben. Auch der teuflische Fanatismus der Aetzerverfolgungen, der doch nur eine Nachahmung des jüdischen Fanatismus ist, welcher IEsum gekreuzigt hat, hat doch einen größeren Ernst in sich als diejenigen, welche nur diese Welt lieben. „Die Welt vergeht mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gottes thut (den er uns in seinem Sohne offenbart hat), der bleibt in Ewigkeit." Hr. L. schließt seine Antwort auf den offenen Brief des Pastors Gebhardt mit de.n Worten: „Wir glauben, daß der Messias kommen wird zur Zeit, da das Herz des Menschen zum Menschen sich wendet und das Herz der Menschheit zu Gott". Das kann doch nur heißen: Wenn Israel, das seine von Gott ihm geschenkten Priester und Opfer verloren hat, und wenn die Heiden, die niemals solche Priester und Opfer gehabt haben und deren Messias, IEsus von Nazareth, uns Juden ein falscher Messias ist, wenn sie alle sich selbst erlöst haben werden von ihrer natürlichen Selbstsucht, Gottvergessenheit und Gottverlassenheit, dann wird der wahre Messias kommen. Aber wozu dann noch der Messias? Er würde den Menschen in ihrer freien Liebesbewegung gegen einander und gegen Gott nur störend sein. Er würde wie ein Papst zwischen Gott und den Menschen stehen, der all ihr Priestertum (sie sind ja dann alle Priester und haben einen freien Zugang zu Gott) in sich aufsaugt. Die Menschen brauchen ja dann einen Messias nicht mehr, sie sind vollkommen glücklich und selig aus ihrer Domäne, der Erde, und können hier in ihrer vollkommenen Liebe zu einander und vermittelst der vollkommenen Beherrschung der Naturkräfte das Paradies sich aufbauen. In der That scheint Hr. L. nichts sagen zu können von^dem, was der Messias auf Erden zu thun haben wird, obwohl er doch hätte Nachweisen müssen, daß sein Messias, den er erwartet, ein besserer und vollkommenerer sei, als der Messias der Ehristen. — Und der „ewige Bund" Israels mit Gott, wo bleibt er, wenn das jetzt von Gott verlassene Israel nichts mehr zu sagen weiß von den rettenden Thaten seines Messias, auf den es angeblich noch hofft? Es ist zu fürchten, daß der „ewige Bund" den Israeliten von der Richtung des Hrn. L. immer mehr als ein schöner Aindertraum erscheinen wird, der zur Erziehung der Menschen nützlich, wenn