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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 3 (1900) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
3 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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20 man itt seiner Freude an 6er Welt dem Nächsten „nicht Unrecht" thut? Rann man wahrhaft lieben, ohne daß die böse Selbstsucht in uns getilgt wird, die von Geburt an in jedem Menschenherzen wohnt? Rann man Gott wahrhaft lieben und „in dieser Liebe sich selbst und seine Seele wiederfinden", die sich in den Genüssen dieser Welt verloren hat, wenn man doch durch die Sünde von Gott geschieden ist und das aus den Träumen dieser Welt aufwachende böse Gewissen es schmerzlich empfindet und darüber seufzt, daß es nicht Gottes Liebe spürt, sondern nur seinen Zorn? „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" spricht der HErr IEsus. Ja, die Seele ist und bleibt verloren, wenn sie nicht durch die Vergebung der Sünden einen Zugang zu Gott findet, bei welchem Gottes Liebe ohne alles menschliche Verdienst ausgegossen wird in das sündige Herz, daß es nun ihn wieder lieben kann und muß. Wer bringt diese Vergebung der Sünden? Wer gießt das Leben dieser göttlichen Liebe aus in das Sünderherz? £jr. L. wird hier an das Wort erinnern, welches Gott bei Iesaia spricht: „Siehe ich vertilge Deine Missethat wie eine Wolke und Deine Sünde wie den Nebel. Aehre Dich zu mir, denn ich erlöse Dich!" Aber das ist ein Verheißungswort, und noch fehlt für Israel wenigstens die Erfüllung solcher Verheißung. Freilich ist ja nimmer zu leugnen, daß es auch unter dem alten Bunde eine Vergebung der Sünde gab. David betete z. B. Pf. 32: „Ich sprach: Ich will dem HErrn meine Übertretung bekennen. Da vergabst Du mir die Missethat meiner Sünde". Und aller priesterdienst der blutigen Opfer war ja dazu von Gott verordnet, daß die bußfertig Gläubigen durch denselben Vergebung der Sünden erhielten. Nun aber hat Gott durch seine Gerichte dem Volk den Priester- und Opferdienst genommen. Wo findet es jetzt Vergebung der Sünden? Der Baum des Lebens, welchen Gott in Israel gepfianzt hatte, um ihm das Leben seinergöttlichen Liebe mitzuteilen, hat Blätter und Blüten und zuletzt auch die Frucht hervorgebracht, mit deren himmlischer Süßigkeit er sein Volk speisen wollte. Aber nur die Heiden haben diese Frucht mit Freuden genossen und genießen sie noch. Diese Frucht ist der wahrhaftige Hohepriester, von dem alle Priester und Opfer des A. T. nur Schatten und Vorbilder waren, die auf diesen Priester und dies Opfer begierig machen sollten, der Hohepriester, der am Äreuz sich selbst geopfert hat für der ganzen Welt Sünde und für seine Mörder gebeten, d. i. für alle, deren böses Herz ihm widerstrebt, der dann auferstanden ist und zur Rechten Gottes sitzet und nun kraft seines Blutes durch seinen heiligen Geist Vergebung der Sünden und das selige Leben seiner heiligen Liebe darbietet, das allein die Welt überwindet, kraft dessen dann auch sich erfüllen wird, was schon im A. T. verheißen ist, daß der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid, noch Schmerzen und Geschrei, sondern ein seliges Leben der Auferstehung kommen wird, ein neuer Fimmel und eine neue Erde. Warum ist diese doch zunächst für die Israeliten bestimmte Frucht denselben noch immer bitter? Sie wollen sie nicht, weil sie aus ein irdisches Reich des Genusses und

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