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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 3 (1900) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
3 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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werden könnte. Ls ist eine Ohnmacht und Verhärtung des Willens, der auch den Verstand in Fesseln schlägt. Die Unglücklichen vermögen es zumeist nicht, sich strafen zu lassen von dem heiligen Geiste Lhristi, dessen heilige Liebe wohl ihr Herz mächtig berührt, wenn sie sich ernstlich mit seinen Reden und Thaten beschäftigen. Sie wollen sich von ihm nicht strafen lassen, weil er ihnen das Himmelreich auf die Erde bringen will, daß es in ihnen Wohnung und sie zunächst inwendig zu neuen Menschen mache, in denen sein Leben, das heilige, reine Leben der göttlichen Liebe, lebt. Sie wollen solche Wiedergeburt nicht, die doch ihrem Herrn und König die bittersten Schmerzen am Stamme des Kreuzes gekostet hat, angesichts deren selbst der neben Lhristo gekreuzigte Verbrecher tief erschüttert sich bekehrte und der die Hinrichtung überwachende heidnische Hauptmann ausrief: „Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen." Und nun leuchtet das Licht dieser unvergleichlichen Geschichte, die doch kein Volk näher angeht als das Volk Israel, schon länger als J800 Jahre durch die Welt. Ls hat viele Heidenvölker erleuchtet, hat sie die wahre Liebe gelehrt, hat ihnen Ordnung und Gesittung, Weisheit und Macht gebracht, hat die Sklavenketten gesprengt und dem Weibe seine ihm gebührende Stellung gegeben. Gerade in unserer Zeit eilen in Scharen die schwarzen, braunen und gelben Heiden in Afrika und Asien zum Kreuze Lhristi, um unter ihm Erlösung, Frieden und Heil zu finden. Und Israel? Muß nicht der Heiland noch immer klagen: „Ihr habt nicht gewollt?" Israel will noch immer nicht in seiner großen Masse. Auch solche wollen nicht, die wie Hr. L. von dem „hohen Geist der Liebe, der aus den Evangelien spricht, und von dem milden Gemüt, dem reinen Leben ILsu" nicht unberührt geblieben sind. Aber dieser reine ILsus hat geschworen, daß er sei der verheißene Lhristus, der Sohn Gottes. Da ist es doch offenbar: Gründe der Vernunft sind es nicht, die die Juden abhalten, Lhristen zu werden, sondern Gründe des Willens. Das sagt Hr. L. deutlich genug. Sie wollen nicht das Himmelreich, das ILsus in seiner jDerson vom Himmel auf die Erde gebracht hat, daß es zunächst inwendig wohne in den Herzen der Menschen, um von innen heraus sie zu heiligen und zu bessern und dann die Welt zu verklären, nachdem das Weltgericht die schließliche Scheidung zwischen den Gerechten und Ungerechten vollzogen hat. In ihrem irdischen Sinn schreibt L.: „Nicht in dem Himmel leben wir, die Erde ist unsere Domäne". Sie wollen sich dieser schönen Erde freuen, ihre Güter genießen, ohne dem Mitmenschen Unrecht zu thun, sich freuen vor dem Ewigen und in der Liebe zu Gott sich selbst und ihre Seele wiederfinden (S. J8). Aber wenn man diesen Willen ernst nimmt, ist er erfüllbar auf „dieser schönen Erde"? Auf diese Frage, die die große Weltfrage in sich schließt, giebt Hr. L. uns garkeine Antwort. Kann man auf dieser von Gott so schön geschmückten, aber doch in aller ihrer Schönheit und Herrlichkeit vergänglichen Erde einen wirklich bleibenden Genuß gewinnen, kann man sich ihrer „vor Gott freuen" ohne Vergebung und Tilgung der Sünden? Ist es erreichbar, daß

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