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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 3 (1900) · page 2

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Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
3 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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seinen Aönig und HTiland gekreuzigt hat, den Sohn Gottes, welcher der demütigste der Menschen geworden ist, damit er die Stolzen beuge und für sich gewinne zu ihrer Seligkeit. (£5 ist freilich eine ganz verkehrte Geschichtsanschauung, wenn wenn man lediglich dem Volke Israel die Schuld an dem an ITsu begangenen Justizmorde zuspricht. Gewiß ist es völlig vergeblich, zu leugnen, daß die damalige jüdische Obrigkeit die Areuzigung ITsu gewollt und unter stürmischer Zustimmung des Volks beschlossen und zu derselben schließlich die Genehmigung der übergeordneten heidnischen Obrigkeit erlangt hat, die dann die Kreuzigung zur Ausführung brachte. Aber damit, daß der Mordgedanke, der in Israel feinen Ursprung und seine treibende Kraft hatte, von der Obrigkeit des Weltreichs zur Ausführung gebracht wurde, ist doch schon ein unverkennbares Zeichen gegeben, daß hier eine Gemeinschuld der ganzen, aus Juden und Heiden bestehenden Menschheit vorliegt. Daß gerade in Israel diese Schuld ihren Ursprung hatte, ist nicht so unerklärlich, wie es vielen zu sein scheint. Gerade weil dies Volk von Gott ausersehen war, der Offenbarer des Millens und der Geheimnisse Gottes zu sein, als welchen Herr £. es rühmt, mußte es auch bei seinem verborgenen Widerstreben gegen den Millen Gottes, von dem es bei aller äußerlichen Gesetzlichkeit beherrscht war, als nun der wahre Israel und Offenbarer Gottes in ITfu Thristo erschien, auch die geheimnisvollsten Tiefen des von der Gnade Gottes nicht erleuchteten Menschenherzens offenbaren, das fortgesetzt dahin kommt, seinem eigenen HTiland nicht nur zu widerstreben, sondern auch ihn zu hassen und wenigstens in den Seinen zu töten. Die ersten Thristen, besonders die Apostel, am meisten Paulus, erfuhren wohl dieses tiefgehende Miderstreben des natürlichen Menschenherzens gegen Thristum, zu dem sie doch mit aller Macht göttlicher Liebe sich hingezogen fühlten. Und immer haben alle wirklichen Thristen von da an den Mord ITsu als eine Gemeinschuld erkannt, an der auch sie ihren Teil haben, wenn auch lange, ohne es zu wissen und zu wollen. „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Dies Gebet ITsu am Kreuz gilt nicht bloß für diejenigen, die damals ihn vor den Augen Israels kreuzigten, sondern für alle Menschen. Der ist kein rechter Thrist, der nicht auch an sein eigenes böses, Thristo widerstrebendes Herz dabei denkt, sondern lediglich an Thristi Henker auf Golgatha. Damit meine ich den Kern des Hindernisses getroffen zu haben, der die Juden zumeist abhält, Thristen zu werden. Dies Hindernis ist in seinem tiefsten Grunde kein nationales. Denn kein Gottesmann hat je Israel so geliebt und ihm so wohlgethan wie ITsus, der selbst den göttlichen Vorzug Israels wohl beachtete und, solange ihn Israel nicht verwarf, bezeugte: „Ich bin nicht gesandt denn nur zu den ver^ lorenen Schafen aus dem Hause Israel'^, der bittere Thränen über Jerusalem weinte, als es offenbar war, daß es seinen König verworfen und damit für lange Zeit verloren sein und daß das Reich Gottes den Heiden übergeben werden würde. Das Hindernis ist auch kein, intellektuelles, das durch Gründe menschlicher Vernunft besiegt

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