Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 2 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2555115-2555117--09996-2566208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
_. Nun ist es ja richtig, auch in der Religion des A. T. war ein göttliches Leben, das erhaben war über allen Gedanken des Fleisches. Denn es war in ihr das Leben des heiligen Geistes Gottes, durch den alles Lebendige ins Leben gerufen ist, und der noch immer, über allen Gesetzen und Aräften der Natur und des Menschengeistes erhaben, seinen Lebensodem haucht in die Menschenseelen, wo er will. Aber dieser Lebensodem ist nicht der Lebensodem des Fleisches, des natürlichen Menschen, vielmehr einer, der den natürlichen Menschen um seiner Sünden willen straft und der zu seinem Verderben von ihn: weicht, wenn er sich nicht strafen läßt. Gott hat zunächst das Volk Israel dazu geschaffen und ausgesondert, daß dieser heilige Lebensodem in ihm wohne und mit ihm dazu seinen ewigen Bund geschlossen. Aber Israel hat diesen Bund nicht gehalten. Die große Masse des Volkes ist wieder und wieder von ihm abgekallen. Sie lebte nicht in dem heiligen Geiste seines Bundes, sondern hing den: Baal und andern Götzen der Heiden an. Nur in einzelnen Gottesmännern und Propheten, die sich der Herr in seiner Barmherzigkeit, um sein Volk aus dem Verderben der Svinbe zu erretten, erweckte, und in einer kleinen Auswahl, die von diesen erweckt wurde, lebte das Leben des heiligen Geistes wieder auf, weil sie in Buße sich von ihm strafen ließen. Ihnen gelang es dann, das Volk soweit zu beherrschen, daß es die Götzen von sich that und den göttlichen Geboten wenigstens äußerlich nachfolgte. Aber solcher Scheinbekehrung folgte, was die Masse des Volkes anbetrifft, immer wieder der Rückfall ins alte böse Ä)esen, das sich^darauf naturgemäß immer mehr steigerte. Doch auch das Leben des heiligen Geistes, das in jenen frommen Gottesmännern lebte, war noch nicht das volle neue Leben des Reiches Gottes, das Israel verheißen war, sondern erst eine Vorstufe desselben, ein Schatten dessen, das da vom ewigen Lichte kommen sollte. Das neue ewige Leben ist vom Himmel auf die Erde gekommen in Jesu Christo, dem eingeborenen Sohne Gottes, Wiedergeboren werden zu diesem neuen Leben, das sich in Christo jedem anbietet, muß der, welcher in das Reich Gottes eingehen will. Das kann wieder nur der, welcher sich vom heiligen Geiste Gottes, d. i. dem Geiste Christi, strafen läßt in aufrichtiger Buße, an Christum glaubt und damit das Leben des heiligen Geistes in sich aufnimmt. Israel in seiner großen Masse hat das nicht thun wollen. Denn wie es die Propheten verfolgte, in denen schon der Geist Christi lebte, so hat es auch seinen HLiland und Aönig nicht erkannt, sondern verworfen und gekreuzigt, weil er nicht ein Messias war nach ihrem irdischen fleischlichen Sinne, welcher vor allem ein Reich irdischer, äußerlicher Herrlichkeit erwartete. Aber wie hätte solch Reich bestehen können, wenn nicht das innere Leben des Reiches Gottes, das Leben seiner Liebe, das Leben, das mit seinem Tode ihre Sünden gesühnt hat, in ihnen Wohnung gemacht hätte? Dieses Liebesleben Christi hat Israel nicht erkannt und ihn darum als einen falschen Messias verworfen. Darum ist Gottes Gericht über das Volk gekommen den Weissagungen gemäß. Und dies Gericht dauert noch immer und dauert so lange, bis Israel