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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 2 (1900) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
2 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ihn für den, der von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Sünden willen zerftnlagen und um unserer Missethat willen.verwundet, die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt," oder die Worte des Verheißenen, der am Areuz für seine Mörder betet: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun?" Hiev ist die göttliche Majestät der Liebe, die nicht bei verheißenden Worten geblieben, sondern Mensch geworden ist und diese Worte zur That gemacht hat für die mordenden Sünder. Oder sollte solche Menschwerdung und solch göttliches Leiden in Ehristo ein Unding fein? Aber wenn Gott von einem Menschen verlangt, daß er unter Umständen aus Liebe für die Brüder stirbt, sollte er das nicht auch von sich selbst verlangen, nicht aus Liebe für seine Rinder sterben können? Wäre die Sprache des Gottes majestätisch, der wohl den Menschen das Schwerste gebietet, ihnen aber nicht damit vorangeht, es selber zu thun? Alles Reden von der Liebe bleibt doch ein unerfüllbares Ideal, solange es dem göttlichen Ideal selber an der Lhatsächlichen Erweisung der vollkommenen Liebe fehlt. Die göttliche Liebe am Areuze Thristi ist die majestätische Sprache, die mit ihrer Allmacht die Welt überwunden hat und noch überwindet. — Oder welche Sprache ist majestätischer: die, mit welcher Gott der HErr unter Donner, Blitz und Erdbeben vom Sinai herab spricht: „Du sollst nicht töten, Du sollst nicht ehebrechen" u. s. w., oder die, mit welcher Jesus in der Bergpredigt sich als den göttlichen Vollender des von: Sinai aus gegebenen Gesetzes darstellt: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten. Ich aber sage Euch" u. s. w.? Wenn aber Hr. L. behauptet, daß „die hinreißende Leidenschaft der Sprache des Iesaia das Siegel der Gottheit auf der Stirne trage," so ist das etwas Neues, das sonst wohl schwerlich auf dem Boden des Theismus behauptet worden ist. Daß Gott leiden könne, Mitleiden mit den Menschen habe, ist allerdings schon die Voraussetzung des A. T., daß er auch für die Menschen leiden werde, hat das A. T. ge weissagt und das N. T. erwiesen. Aber daß solche Liebe auch zur Leidenschaft werde, das auszusprechen, ist doch wohl ein übertreibender Anthropomorphismus, der wohl in poetischer Sprache seine Berechtigung hat, aber nicht auf dem Gebiete der Wissenschaft und der aus eine nüchterne Sprache angewiesenen Glaubenslehre. Alle leidenschaftliche Sprache beweist doch, daß der Sprecher in einem Rampfe steht, der erst ausgekämpft werden muß, und dabei noch nicht die Ruhe gewonnen hat, die erst durch die volle Gewißheit des Sieges gegeben wird. Lhrifti Sprache zeigt überall diese majestätische Ruhe, die die Kerzen der Menschen, selbst seiner Feinde, beherrscht, die Kranken heilt, die bösen Geister vertreibt, Sturm und Wellen stillt, Tote aus» erweckt. Und auch im Sterben scheidet Jesus mit dem siegenden Worte: „Ls ist vollbracht; Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände," nachdem er als der HErr und König auch jener Welt dem Schächer neben ihm verheißen hat: „Wahrlich, ich sage Dir, heute wirst Du mit mir im Paradiese sein."

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