Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 2 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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\o 2. Aber was bei den Menschen unmöglich ist. das ist bei Gott niäglidb. Jeder kann ein Christ werden durch die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. Also kann auch ein Jude ein Christ werden im wahren Sinne des Wortes, Juden waren cs ja auch, die zuerst Christen wurden und ihr Christentum in Crweisung des Geistes und der Araft bekundeten und mit siegender Macht im Aufträge Christi sein Evangelium in der Welt verbreiteten, obwohl die ganze Macht des herrschenden Judentums und Heidentums sich gegen sie kehrte. Und viele werden auch heute noch Christen nicht aus äußeren Rücksichten und Feigheit, sondern wie die Apostel mit Darangabe ihrer Freundschaft und ihres Vaterlandes, ja, selbst ihres Lebens. Das Christentum ist eben nicht eine neue Lehre oder ein neuer Ritus, sondern nach dem obigen Worte des f)(£rrn ein neues Leben, das kraft des Wassers und Geistes über den Täufling kommt. Solch neues Leben kommt aber nicht ohne Geburtswehen und Schmerzen, wie es denn auch nicht bestehen kann ohne einen oft tiefschmerzlichen Aampf mit den bösen Begierden des alten Lebens, des alten natürlichen Menschen. Wer sich auf den bloßen Ritus der Taufe verläßt und meint, ohne solche Wehen ein Christ werden und ohne solche Aämpfe ein Christ bleiben und in seinem Christentum wachsen zu können, der betrügt sich selbst und andere und versucht sogar seinen Gott zu betrügen. Zu dem Entschlüsse, ein Lhrist zu werden, genügt also freilich nickt ein schöner Sommermorgen, an welchem man sich mit Herrn L. „in die glutdurchhauchten Worte Iesaias vertieft" und darnach zum Vergleiche die Evangelien, die Apostelgeschichte u. s. w. liest. Dazu gehört vielmehr ein ernstes, eindringliches Studium. Die schönen Tage und Stunden pflegen uns auch die Tiefen unseres Herzens und des Herzens Gottes nicht zu eröffnen. In Not und Anfechtung lernt man beten, auf Gottes Wort achten und es verstehen. So war es unter dem alten Bunde, so ist es auch im neuen Bunde. Hr. L. bewundert an Iesaia „die Majestät und die hinreißende Leidenschaft der Sprache, die das Siegel der Gottheit auf der Stirnr trägt", aber in den Evangelien gänzlich fehlen" soll (S. 5). Abe welche Sprache ist majestätischer: die des Iesaia, wenn er Gott sprechen läßt: „Ich vertilge Deine Missethaten wie eine Wolke und Deine Sünden wie den Nebel", oder die Jesu, wenn er zu dem Gichtbrüchigen spricht: „Sei getrost, mein Sohn, Deine Sünden sind Dir vergeben?" Dort spricht göttliche Verheißung dessen, was da kommen soll; hier zeigt sich der sichtbar, gegenwärtig in seiner göttlichen, vergebenden Macht, der verheißen ist und die Macht hat, sein vergebendes Wort durch die unmittelbar darauf folgende Heilung zu bekräftigen. £jter ist die Sprache, die nicht bloß Vergebung bringt für den inneren, sondern auch Heilung für den äußeren Menschen. — Oder welche Sprache ist majestätischer: die des Iesaia, wenn er von einem Kommenden im Geiste Gottes weissagt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen; wir aber hielten