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Dibre Emeth · 1900-01-01 · 1 (1900) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
56 (1900)
Issue
1 (1900)
Date
1900-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 M. Lenins Lehrbuch der züd. Geschichte u. Litteratur erschien in dritter, umgearbeiteter Ausgabe (Berlin N.W.: S. Ealvary & (£o. 590 Seiten. Geb. 5,50 IHf.). €s schildert die Geschichte des israelitisch-jüdischen Volkes bis zur Auflösung des Reiches (2000 v. —70 n. Ehr.) und die Juden unter den Völkern (70—(900), um sodann ausgewählte Stücke aus der jüdischen Litteratur darzubieten. Im Anhang wird u. a. die Geschichte des Synagogenkultus skizziert. Das Buch ist recht lehrreich und zeigt auch eine gefällige Form. Es kann im ganzen bestens empfohlen werden. Besonders machen wir solche Geschichts- und Litteraturfreunde auf dasselbe aufmerksam, welche nicht imstande sind, aus größeren Werken eine Aenntnis des hier behandelten Gegenstandes zu erwerben. Daß nicht alle Einzelheiten die allgemeine Zustimmung finden können, ist selbstverständlich. Ehristlichen Lesern wird am wenigsten genügen, was Dr. L. über die Entstehung unserer Religion sagt (S. 60 f.). Seine hierauf bezüglichen Bemerkungen stehen in mehr als einer Einsicht in Widerspruch mit den Angaben der einzigen zuverlässigen Geschichtsurkunde, die hier in Betracht kommt: des zweiten hauptteils der Bibel. Aber auch die Kennzeichnung,, der von IN. Mendelssohn eingeleiteten geistigen Bewegung (S. 250 Überschrift) muß der Ehrist beanstanden. Die Wiedergeburt der Iudenheit und des Judentums gehört noch immer der Zukunft an und ist von der gläubigen Annahme des Messias abhängig (Rom. ((, 25). Zu 90, 2. Der Naturforscher G. Lhr. Lichtenberg schreibt: „welch ein Unterschied, wenn ich diese Worte in meiner Kammer ausspreche oder in der knalle der westminster- Abtei, über mir die feierlichen Gewölbe, wo der Tag immer in einer heiligen Dämmerung trauert, unter mir die Reste zusammengestürzter Pracht, der Staub der Könige, um mich her die Trophäen des Todes! Ich habe sie hier und dort ausgesprochen. In meinem Schlafgemach haben sie mich oft erbaut; ich habe sie von Kindheit an nie ohne Rührung gebetet. Aber hier durchlief mich ein unbeschreibliches, aber angenehmes Grauen; ich fühlte die Gegenwart des Richters, dem ich auf den Flügeln der Morgenröte selbst nicht zu entrinnen vermöchte, mit Thränen, weder der Freude noch des Schmerzes, sondern mit Thränen des unbeschreiblichen Vertrauens auf ihn." Zu Luk. 15, 18. Ts ist von Bedeutung, daß wir noch vor der That der Rückkehr (des verlorenen Sohnes) den Willen, den Vorsatz sich äußern hören; denn ein Wille muß da sein, woher er auch komme, wenn es mit den Worten und mit den Werken seine wahre Richtigkeit haben soll; mit dem willen erst entscheidet sich, mit dem willen vollendet sich schon einmal, was die Bekehrung des Sünders zum Gotte des Lichtes heißt. Nun ist den willenlosen wünschen, den kraftlosen Seufzern der Abschied gegeben. Aber war es nicht auch ein Wille, der den Sohn aus dem Hause des Vaters trieb, der Wille, alles für sich und allein zu sein? Müssen wir nicht Verdacht schöpfen gegen Entscheidungen, die den menschlichen Willen zum alleinigen Urheber haben? Nur in dcm einzigen Falle nicht, wenn er durch seinen ganzen Inhalt zu erkennen gibt, daß er eben nichts mehr und nichts weniger als der Wille Gottes an den Menschen, als der Tod des Eigenwillens, der Sohn der Wahrheitaus Gott, und in der gänzlichen Selbstverzichtung die glaubensvolle Ergreifung der Hand des Allmächtiger,, Allheiligen und Allliebenden ist. Es wäre auch ein Wille gewesen, wenn der verlorene beschlossen hätte, dort auf der Hungertrift zu sterben, wenn er, seine Seele zu verstocken, ihr zugesxrochen hätte: wohlan, nun will ich hier vergehen;

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