Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 56 (1900)
- Issue
- 1 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 mit dem christlichen Schrifttum bereits bekannten Juden. Dieser sagte: „Ich lese Ihre Schriften gerne. Sie sprechen zu mir von Trost, Himmel, dem Messias und der Auferstehung. Ich liebe die Worte Jesu von Nazareth." Die am 9. Mai angetretene Rückreise führte über Zinna nach Saffi oder Assi, der schmutzigsten Stadt an der marokkanischen Rüste. Auf dem Wege dorthin schrieb Z. in sein Tagebuch: „Beim Besuch der Iudenviertel des Innern beobachtete ich, daß die alten Frauen von allen sehr schlecht behandelt wurden: von Gatten, Rindern und Neffen. Sie werden nur von ganz kleinen Rindern, für die sie eifrig sorgen, beschützt. Und doch arbeiten sie sehr hart, sehen nach den Rühen und Eseln und sorgen für die Häuser oder Hütten." Auch ein anderer kulturgeschichtlicher Eintrag ins Tagebuch ist beachtenswert: „Die hiesigen Araber und Juden chaben keinerlei Empfindung für die Schönheit der Natur." In Saffi, wo die Synagogen inehr Börsen als Bethäusern gleichen, wurdet Tage lang missioniert. Die dortigen Rabbinergräber erfreuen sich durch ganz Marokko der größten Verehrung und werden alljährlich von zahlreichen pilgern besucht. Bei der Ankunft in Mogador, die am \6. Mai erfolgte, blickte Z. mit Dank gegen Gott auf die zum Teil unter furchtbarer Hitze vollendete Reise zurück. Er hatte über 2500 heilige Schriften und Traktate verkauft oder verschenkt. Möge der ausgestreute Same fröhlich gedeihen! Gladstone über die Bibel. Der englische Staatsmann Gladstone, gest. \8<)8f äußerte sich in der Einleitung zu einer volkstümlichen Bibelauslegung über die Segenskraft der heiligen Schrift folgendermaßen: „In welcher Rrisis, Mühsal und Verwicklung des Lebens hat diese unerschöpfliche Schatzkammer je das versagt oder wird sie je das versagen, dessen wir bedürfen? Welcher Beruf, welche Lebensstellung wird nicht täglich und stündlich bereichert durch diese Worte, die keine Wiederholung abschwächt, die heute so gut wie in den Tagen, wo sie zuerst ausgesprochen wurden, die Frische der Jugend und der Unsterblichkeit an sich tragen? Wenn der einsame Forscher sein ganzes Herz ihnen aufthut, um sie in sich aufzunehmen, so werden sie seine Mühe belohnen. Und in der Abgeschiedenheit des Rämmerleins, in der Stille der Nacht, auf dem Rrankenlager und angesichts des Todes: allenthalben ist die Bibel uns zur Seite. Ihre Worte sind beschwingt mit besonderer Botschaft für jedes Bedürfnis, heilend und lindernd, aufrichtend und aufrechthaltend, kräftigend und anspornend. Ja, noch mehr: mitten im Gedränge des Rats, des Gerichtshofs, der Straße oder des Marktes, wo die Aufregung ehrgeizigen Strebens, der Geschäfte oder des Vergnügens jeden Gedanken jeder Seele vollauf in Anspruch zu nehmen scheint, auch da, ja, selbst da wird die Stimme der heiligen Schrift mit stillem, sanftem Säuseln sich vernehmen lassen, und das eine oder andere ihrer Segensworte wird der Seele Flügel geben, daß sie entflieht wie eine Taube und zur Ruhe kommt."