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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 12 (1898) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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mich sehr, daß Sie immer für die Heiden beten. Aber Sie sollten auch das arme zerstreute Israel in Ihre Fürbitte einschließen." Der Prediger meinte jedoch: „Mit den Juden haben wir nichts zu thun. Gott hat sie verworfen. Jetzt ist die Zeit der Heiden da." Auch was sie sonst zu Gunsten Israels sagte, wollte er nicht gelten lassen. Nun verfuhr sie nach dem Beispiel der klugen Frau von Thekoa (2. Sam. ^). Nach einiger Zeit erschien sie im pfarrhause mit der Meldung, sie habe dem Pastor eine sehr traurige Geschichte zu erzählen. Sie berichtete ihm folgendes: „Nicht weit von hier lebt ein braver Mann mit seinem Weibe. Das Ehepaar besitzt einen Sohn, den es innig liebt. Aber der Sohn erwies sich seiner Eltern unwert. Er vergalt alle ihre Liebe mit Ungehorsam und Undankbarkeit. Als sie sein Benehmen nicht länger ertragen konnten, ließen sie ihn mit großem Schmerz von sich ziehen. Jetzt ist er auf der Wanderschaft. Statt des ungeratenen Sohnes nahmen die Leute einen armen Zigeunerknaben au. Sie gaben diesem ihres Sohnes Zimmer, Aleider und Bücher und behandelten ihn in jeder Weife wie ihr eigenes Aind. Der Anabe fühlt sich sehr glücklich, aber die Eltern können ihren eigenen Sohn nicht vergessen und sehnen ihn zurück. Jener ist hiermit nicht einverstanden. Sooft die Eltern, in deren Kerzen beide Ainder Platz finden würden, des verlorenen Sohnes gedenken, wird der Zigeunerknabe ganz erregt. Was denken Sle hierüber?" schloß Frau f}. ihre Erzählung. „£), der undankbare Burschei" rief der Prediger. „Wäre ich an der Eltern Stelle, so würde ich ihn laufen lassen. Er ist ebenso schlecht wie der erste Sohn." Da fuhr die Erzählerin fort: „Verzeihen Siel Israel ist jener wandernde Sohn, und wir sind der Zigeunerknabe. Obwohl Gott genötigt war, die Juden in die Gefangenschaft zu senden, obwohl er das Geliebte seiner Seele in der Feinde Hände übergeben hat, so sehnt sich doch sein Herz immer noch nach ihnen, und seine Hände sind immer noch den ganzen Tag ausgestreckt nach seinem ungehorsamen und widerspenstigen Volk." Schließlich erinnerte die treue Fürsprecherin Israels an den Gottesspruch Ier. 3\, 20: „Ist denn Ephraim mir ein teurer Sohn oder ein Aind der Wonne? Denn sooft ich wider ihn geredet habe, will ich doch seiner noch gedenken. Deshalb brausen meine Eingeweide um ihn. Ich will mich seiner erbarmen." Das Ergebnis der Bemühungen von Frau £}. war die Gewinnung ihres Pastors für die Sache Israels, hieran schloß sich die Gründung des ersten Iudenmissionsvereins in Norwegen an. Zum Weiynachtsftst. wahrhaft ein Rind, wahrhaft ein Mensch, daß Gottes Sohn das ward, davor geziemt es sich uns, auf den Rnieen zu liegen. Bei dem 6t luea-imkUus 68t (und er ist Fleisch geworden) im nicänischen Glaubensbekenntnis schlugen wohl im Mittelalter die in der Rirche anwesenden Mannen an ihre Schwerter zum Zeichen, daß darob vor allem aller Welt Trotz zu bieten, daß darum vor allem Blut und Gut zu lassen sei. Desgleichen, wenn in der Reformationszeit „Wir glauben all' an einen Gott" gesungen wurde, und es kam die Stelle: „von Maria, der Jungfrauen, ist ein wahrer Mensch geboren", so ging es dabei da und dort so zu: Zunächst setzte die Orgel aus, als hielte sie davor den Atem an; jetzt klang es aus

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