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Dibre Emeth · 1898-01-01 · 12 (1898) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
55 (1899)
Issue
12 (1898)
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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90 Verbrecher unentdeckt blieb und niemals von einem menschlichen Gerichte zu der verdienten Strafe verurteilt wurde? Wenn man an solche Fälle denkt, könnte man wohl sagen: „Mein sittliches Bewußtsein verlangt eine Löhne solcher Frevelthaten und überhaupt des hienieden begangenen, nicht gesühnten Unrechts in einem späteren Gerichte, wo keine menschliche Unvollkommenheit mehr eine Schranke für eine völlig richtige Strafe bildet." 2. Doch so berechtigt dies auch erscheint: eine Gewißheit des zukünftigen Weltgerichts geben uns solche Gedanken noch nicht. Diese finden wir vielmehr in dem untrüglichen Gottesworte. Und hier möchten wir dem Unglauben Folgendes zu bedenken geben. Es steht fest, und nur ein unkundiger Mensch könnte dies leugnen, daß das Rommen des Herrn Lhristus schon lange vor seiner Erscheinung verkündet worden ist. Sein Leben, Wirken, Leiden und Sterben entspricht Zug um Zug dem Bilde, das die gottbegnadeten Männer des alten Bundes von ihm entworfen haben. Weiter, der Herr Lhristus hat seinen Jüngern bestimmt vorausgesagt, daß nach seinem Hingange zum Vater die furchtbare Zerstörung Jerusalems als ein Gottesgericht erfolgen werde. Was er gesagt, ist richtig eingetroffen. Im Jahre 70 unserer Zeitrechnung ist Jerusalem von den Römern unter ihrem Feldherrn Titus zerstört worden und dabei auch der herrliche Tempel in Flammen aufgegangen. Also wenn wir Lhristen behaupten, daß die Prophezeiungen der heil. Schrift in Erfüllung gehen müssen, so können wir uns auf die bisherige Geschichte, auf feststehende Thatsachen, die lautes Zeugnis für uns ablegen, berufen. Gottes Wort kann eben nicht lügen. So erhebt sich denn die Frage: „Ist das Weltgericht am Ende der Zeiten in der heil. Schrift bestimmt geweissagt?" Ganz gewiß ist es das. Schon im alten Bunde. Der Prophet Daniel, der zur Zeit des großen babylonischen Aönigs Nebukadnezar ff 56( v. Ehr.) an dessen Hofe weilte, aber noch die Eroberung Babylons durch die Perser unter Lyrus (539 v. Ehr.) erlebte, sah in einem Gesichte den Menschensohn in den Wolken des Himmels, dem von Gott Gewalt, Ehre und Reich gegeben wurde, daß ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Dieser Menschensohn ist kein anderer als der Herr JEsus Lhristus selbst, wahrer Gottes- und Menschensohn. Der Herr Lhristus aber hat sein Wiederkommen zum Gericht seinen Jüngern aufs bestimmteste vorhergesagt, diese Prophezeiung auch als unschuldig Angeklagter vor dem Hohenpriester Raiphas feierlich bestätigt. Weiter schreibt St. Petrus, daß durch Gottes Wort Himmel und Erde gesparet werden, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. Die Zeit und Stunde des mit Lhristi Wiederkunft verbundenen Weltgerichts sollen wir nicht erforschen wollen. Denn nach den Aussprüchen der heil. Schrift wird der Tag des HErrn kommen wie ein Dieb in der Nacht, wie ein Fallstrick über alle, die auf Erden wohnen. Wohl aber dürfen, ja, sollen wir Acht geben auf die Vorgänge, welche die Schrift als Anzeichen des bevorstehenden Gerichts hinstellt.

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