Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 12 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Cm Monatsblait für Israeliten und Freunde Israels. Ilr. 12. 55. Jahrgang. — 1889. Inhalt: Adventsgedanken eines Juristen über das Weltgericht. — Aus Abessinien II. — Raguhild Hcirem. — Zum weihnachtsfest. — Des j^roselyten Dankopfer. — Aleine Misstonszeitung. — Bei Arebserkrankuugen. — Lmpfangsbef cheinigung. Adventsgedanken eines Juristen über das Weltgericht. Von altersher haben die beiden Fragen: „Woher stammen wir?" und „Wohin fahren wir?" die Gemüter beschäftigt. Tief hineingesenkt in des Menschen Brust ist ja von Gott der Trieb nach Erforschung der Wahrheit: wie sollte da nicht die Menschheit schon lange darnach gerungen haben, über jene wichtigen Fragen Gewißheit zu erlangen? Auf die Frage: „Wohin fahren wir?" lenkt in hervorragendem Maße die Adventszeit unsere Blicke. Denn dieselbe soll nicht nur auf die Freude und Wonne des nahe bevorstehenden Weihnachtsfestes Hinweisen, sondern auch mit erschütterndem Ernste erinnern an die letzten Dinge, an das Weltgericht. Zwar wollen viele heutzutage von einem bevorstehenden Weltgerichte nichts wissen. Sie reden sich ein, daß mit. dem Tode alles aus sei, und daß deshalb auch keine Rechenschaft über ihr Thun und Treiben dereinst werde von ihnen gefordert werden. Sind Weltgericht und Vergeltung nur eitle Wahngebilde, dann können sie ja auch ihr Leben ganz nach ihren eigenen Wünschen und Begierden einrichten. Anders der überzeugte Ehrist. Er hält daran fest, daß der Strom der Weltgeschichte dem Weltgerichts entgegeneilt. Bei der gewaltigen Bedeutung, welche die richtige Beantwortung der Frage „Wohin treiben wir?" für unser religiöses, aber auch für unser staatliches und gesellschaftliches Leben hat, möge es gestattet sein, Nachstehendes über das kommende Weltgericht hier zu bemerken. t- Es haben wohl Menschen, in denen ein reges, sittliches Bewußtsein lebendig war, ausgesprochen, daß unser sittliches Bewußtsein notwendig das Weltgericht verlange. Wie ist dies zu verstehen? Folgendes diene zur Erklärung. Wir leben in einem großen Gemeinwesen. dem Deutschen Reiche, in dem, Gott sei Dank, Recht und Gesetz noch eine bedeutende Macht darstellen. Die Polizeien und Gerichte der einzelnen Staaten bemühen sich ihren gesetzlichen Befugnissen gemäß, dem Unrecht zu wehren und die Gesetzesübertreter zur Verantwortung zu ziehen. Und doch, trotz aller staatlichen Einrichtungen zum Schutze der Rechtsordnung, gewahren wir nicht in vielen Fällen, daß Unthaten selbst grauenhafter Art ungesühnt bleiben? Haben wir nicht von schauerlichen Mordthaten gelesen, bei denen der