Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 11 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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And mehrere Priester. Die Falaschas wohnen besonders, getrennt von den Christen, damit sie nicht durch Berührung derselben verunreinigt werden. Da ihr Gottesdienst nach Landessitte beim Hahnenschrei beginnt und nach Tagesanbruch in der Synagoge ein gemeinsames Frühstück stattfindet, welches die Verrnöglicheren alle Samstag spenden, fanden wir bei unserer Ankunft alle schlafend. Wenn nämlich zuerst die Priester, dann die Armen und zuletzt die Reichen gegessen und getrunken haben, spricht einer der Priester, gewöhnlich der älteste, den Segen über das Volk und entläßt sie, damit sie nachholen, was sie nachts versäumt haben. Wir weckten das ganze Dorf auf. Die Priester ließen uns fragen: „Wer seid Ihr und was wollt Ihr?" Unsere Antwort war: „Wir sind Eure Brüder und gekommen, um mit Euch die Bibel zu lesen und Euch den Weg zum Himmel zu zeigen." Nach einiger Zeit kamen drei Priester, gefolgt von Jünglingen (Schülern), von denen zwei die h. Schrift auf dem Aopf trugen. Bald hatte sich der ganze Ort versammelt. Wir öffneten nun unsere amharische Bibel und lasen und besprachen alle messianischen Weissagungen. Die Priester lasen dieselben in ihrer äthiopischen heil. Schrift nach und übersetzten das Gelesene Wort für Wort ins Amharische, damit alle es verstünden. Zuerst zeigten wir ihnen, daß der eine Gott, den sie verehren, ein dreieiniger ist. Das gab einen langen Wortkrieg. Endlich hatten sie keine Antwort mehr Dann zeigten wir ihnen, daß die blutigen Tieropfer, die sie immer noch opfern, längst überflüssig geworden sind, da Jesus sich für die Sünden der Welt geopfert hat. Wir lasen und erklärten die betreffenden Stellen aus Mose und den Propheten. Auch sagten wir ihnen, daß die blutigen Opfer nur im Tempel in Jerusalem dargebracht werden durften. Der Oberpriester, Aba Workenach, sagte: „Ich kenne Herrn Flad und Debtera Beru und war zugegen, als der Opferstreit vor Rönig Theodoros stattfand. Es ist wahr: die Opfer sind uns hier im fremden Lande nicht erlaubt. Aber wir bringen sie nach unserer Väter Gewohnheit." Wir sagten: „Eure Opfer sind unnütz, ein Greuel vor Gott. Wenn Ihr nicht an IEsum, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde getragen hat, glaubt, geht Ihr alle verloren. Nur der Glaube an IEsum macht selig." Darnach wurden alle auf den Messias sich beziehenden Weissagungen noch einmal gelesen und erklärt. Es war Abend geworden, und wir mußten weiterziehen, um eine Nachtherberge zu finden. Wir schieden in Frieden. Viele Anwesende dankten uns und baten uns bald wiederzukommen. Aba Workenach begleitete uns eine Strecke Wegs. Als er allein bei uns war, sagte er: „Was Ihr uns gesagt habt, habe ich vor vielen Jahren von Herrn Flad, den ich oft in Genda besuchte, gehört. Wäre ich nicht ein Priester gewesen, so hätte ich mich damals wie Debtera Beru taufen lassen." Wir redeten ihm ernst ins Gewissen, aber er sagte: „Obschon ich überzeugt. bin, daß Ihr die Wahrheit habt, will ich als Falascha sterben." Um seines Ansehens und seiner Einkünfte willen bleibt er also für die freimachende Wahrheit verschlossen. Am folgenden Tage setzten wir unsere Reise in dem uns unbekannten Lande weiter fort. Müde und matt, hungrig und