Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 11 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2555128-2555139--09968-2566178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ich konnte ihm noch eine geben. Bei meinem letzten Besuch baten mich viele Anwesende um eine Bibel oder ein N. T. Da aber unser Vorrat zu Ende geht, konnte ich ihren Bitten nicht entsprechen. Der Beamte ist ein sehr verständiger, kluger und frommer Lhrist, dem Evangelium zugänglich. Am 8. November MZ begab ich mich mit Wandem Hüning Negusie auf eine Missionsreise nach Wogera. Nach einer dreitägigen, sehr ermüdenden Fußwanderung erreichten wir Asseso. Unsere Glaubensgenossen nahmen uns mit viel Liebe auf. Obgleich arm, teilten sie ihr Brot und Wasser mit uns. Wir verweilten zwei Tage bei ihnen, lasen mit ihnen das Wort Gottes und beteten zusammen. Infolge der Rinderpest herrscht Teurung im Lande. Von Asseso reisten wir in zwei Tagen nach Daber, Provinz Wogera. Hier fanden wir eine Proselytenfamilie. Sie nahm uns mit Freuden in ihre Hütte auf und beherbergte uns mehrere Tage. Wir lasen mit den guten Leuten Gottes Wort und stärkten ihren Glauben durch Gebet. Sie hatten große Freude an uns, obgleich wir uns nie zuvor gesehen halten. Debtera Beru und die andern Freunde, die alle gestorben sind, kannten sie gut. Die Frau erinnert sich auch noch Ihrer und war sehr erfreut, als wir ihr sagten, Sie und Ihre Frau seien noch am Leben. Durch die Derwische haben sie Rinder und Verwandte verloren. Sie konnten nur ihr nacktes Leben retten. Sie sind zufrieden, gottesfürchtig, aber in geistlichen Dingen recht unwissend. Auch drei Falaschafamilien wohnen an dem Ort. Diese unterrichteten wir zwei Tage lang. Reiner von ihnen kann lesen. Solche Leute sind am wenigsten zugänglich. Nachdem wir ihnen zwei Tage lang aus dem A. und N. T. das fjetl in Thristo verkündet hatten, sagte der Älteste, ein freundlich und ehrbar aussehender Mann: „Eure predigt geht nicht in mich ein. Mein Herz ist wie ein verstopftes Gefäß: das Gefäß bleibt leer, man mag Wasser drauf gießen, so viel man will." Doch dankten der ehrwürdige Alte und die andern uns für unfern Besuch und unsere Worte. Auch baten sie uns, bald wiederzukommen. Sie leben in großer Armut. Wogera ist ein Hochland, nicht so fruchtbar wie Dembea. Die Leute sind im allgemeinen ungebildeter und verwilderter. Es ist hier auch, besonders in den Niederungen, sehr unsicher. Von Daber begaben wir uns nach dem Dorfe Rosogie. Zwei Falaschafamiiien, die wir hier fanden, waren für unsere Botschaft nicht empfänglich. Ihr mosaischer Ritus genügt ihnen vollständig. Damit sie keine Entschuldigung haben, predigten wir ihnen zwei Tage lang. Sie hörten uns zwar an, aber es schien uns, als habe unsere predigt keinen Eindruck gemacht. Betrübt verließen wir den Ort, um nach Tschbera Wuha im Tiefland zu reisen. Nachdem wir eine Tagereise zurückgelegt hatten, begegneten uns viele Raufleute, welche uns sagten, alle Ortschaften des Tieflandes seien von königlichen Soldaten ausgeplündert worden, infolge davon fei der Weg unsicher. Wir schlossen uns nun den Raufleuten an und kamen am dritten Tage, an einem Samstagsmorgen, nach Redus Johannes. Dieser Ort liegt wunderschön auf einem Hügel. Er hat eine Rirche und eine Synagoge. Es wohnen hier sehr viele Falaschas