Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 10 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2555128-2555138--09957-2566166- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 Thesensteller, daß die Armen nach der Anschauung der alten Kirche Gottes Altar sind. Die Armenpflege ist also ein heiliges Priestertum. Würden wir müde werden, auf diesem Altar zu opfern, so wären wir nicht wert, Thristen zu heißen. Wer auf dem Boden des Evangeliums steht, wird gegen die obigen vier Sätze und ihre auszugsweise mitgeteilte Erläuterung nicht viel einzuwenden haben. Für den Thristen bildet die göttliche Liebe den Ausgangspunkt für alles Nachdenken über das Wesen der Liebe. Ohne eine Kenntnis der göttlichen Liebe, die z.B.Ioh. 3, gepriesen wird, besitzt man weder das erhabenste Vorbild noch den stärksten Antrieb für die von uns Menschen zu übende Liebe. Bieten also unsere Thesen im Unterschied von den meisten Sätzen, die in akademischen Versammlungen aufgestellt und verteidigt werden, wenig Anlaß zu Einwendungen, so sollten sie um so mehr zahlreiche Anwendungen finden. Möge jeder Leser dieser Arbeit des verewigten Universitätslehrers ihren Inhalt auf sich und sein besonderes Leben beziehen und demselben dann auch in seiner Umgebung Anerkennung zu verschaffen suchen. Aus Abessinien. Debra Tabor, den März W9- Geehrtester Herr Fladl Endlich, nach langem, bangem Warten, haben wir Ihre Briefe durch unfern Boten Gabru erhalten. Wie schwer ist es für Sie und mich, daß wir so selten einander schreiben können I Für uns ist es eine große Entbehrung und eine harte Glaubensprobe. Diesmal brauchte unser Bote 6 Monate, bis er wieder zurückkam. Allein kann er, der Unsicherheit wegen, nicht reisen. 5o mußte er an manchen Orten wochenlang warten, bis er sich einer Karawane anschließen konnte. Für den Boten ist dir Reise immer gefahrvoll und für uns kostspielig. Wir haben ja hierzulande keine Posteinrichtung, wie im gesegneten Europa. Wir sagen Ihnen tausend Dank für die vielen Briefe und die zweimalige Geldsendung. Ebenso danken wir Ihnen für die Hemden, Taschentücher, Scheeren, Feder- und Rasiermesser, Tintenpulver u. s. w. Der Herr ILsus sei Ihr und aller lieben Geber Lohn! Da wir gehört hatten, daß in den Provinzen Godjam und Metscha viele proselyten und Falaschas wohnen, wollte ich schon voriges Jahr mit 2 meiner Mitarbeiter eine Missionsreise dahin machen, wurde aber durch Krankheit verhindert. Während der ganzen Regenzeit war ich körperlich und gemütlich schwer leidend. Der HErr ging mit mir in seine Gerichtsstube. Er zeigte mir, wie all mein Thun von Jugend auf voller Fehler und unrein ist. Ich weinte, kämpfte und betete mit meiner lieben Frau manche Nacht hindurch. Nach 2 Monaten erbarmte sich Gott über mich. Es wurde wieder Licht in meiner Seele. Ich konnte wieder an die Vergebung aller meiner Sünden glauben. Auch körperlich genas ich wieder. Der HEiland helfe nur, daß ich mich noch gründlicher bekehre, demütiger und treuer in meinem Berufe werde! Er wolle mich mit seinem Geiste füllen und