Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 55 (1899)
- Issue
- 8 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Verzicht auf die Erfüllung unserer Bitte enthalten für den Fall, daß sie nicht zu unserm Besten dient, wir halten das Gebet keineswegs für einen Jauberring, der. uns alles verschafft, was unseres Herzens Begehr ist. Sonst würde der Gebrauch dieses Mittels gleich dem Spiel mit einem scharfen Messer sein. Ein Mensch würde etwas erbeten und erhalten, das tausend andern Schaden brächte. Niemand würde sterben, solange er noch eine Menschenseele hätie, die für ihn betete. Die Folge wäre eine vollständige Verkehrung des Welllaufs und der Ordnung aller Dinge. Gebete werden stets erhört, nur verstehen wir nicht immer die Art und weise, wie Gott sie erhört. Wenn er für den Stein, um den wir in unserer Unwissenheit baten, Brot reicht, so dürfen wir nicht sagen, daß er unser Gebet nicht erhört habe. (Nach E. I. Hardy.) 2. Je Heller das Licht, je klarer das Auge, je schärfer der Blick, desto gewisser wird es uns, daß an uns und unserm Leben, auch an unserer Heiligkeit, nichts ist auf dieser Erde. Es ist bezeichnend, daß in dem Leben des Apostels Paulus sich in dieser Beziehung eine Stufenleiter findet: hinab in die Tiefe und doch hinauf in die Höhe. Als er den Rorintherbrief schreibt, nennt er sich den geringsten unter den Aposteln (\5, 9), und es bedeutet bodrimmer noch etwas, ein Apostel, wenn auch der geringste, zu sein. Als er später zu Rom gefangen sitzt, nennt er sich (Eph. 3, 8) den allergeringsten unter den heiligen, womit er sich also unter die gewöhnlicken Christen begiebt. Endlich aber, da er seiner Auflösung nahe ist, preist er die Barmherzigkeit des HLrrn, der gekommen ist, die Sünder selig zu machen, und nennt sich den vornehmsten unter den Sündern (\. Tim. *5). Je näher der Ewigkeit, desto kleiner ist er. Bewahre uns Gott vor dem gefährlichen Großwerden und Großwerdenwollen, damit der HLrr, unser HEiland, allein herrlich sei. (D. Büttner.) 3. Eine Gemeinde und auch ein einzelner Christ kann der Lebendigkeit oder Unlebendigkeit des eigenen Glaubenslebens wohl kaum ein zutreffenderes Zeugnis ausstellen als durch das Verhalten gegenüber demjenigen Volke, ans welchem dev HEiland, der Retter erschienen. " (Fr. Stolle.) 4. Der Sendungsbefehl des HEilandes: „Gehet hin zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel!" hat seine Bedeutung noch nicht eingebüßt, wie schwer es oft wird, denselben ausznführen. Die Judenfrage steht im Vordergrund der Tagesereignisse. Die Welt löst fie mit Gewalt und Haß. JEsus verlangt von seiner Rircke, daß sie sie löse durch Hinweis auf die Erlösung, die er uns am Kreuz erworben, durch Einführung in die Gemeinschaft seiner Gläubigen zur Erlangung des Seelenfriedens. Rann eine Arbeit wichtiger, nötiger, schöner sein als diese? (Llsäss. Ev. Sonntagsblatt.) Kleine MifstonszeiLung. Die irischpresbyterianische Judenmission in Hamburg weihte am \5. Dez. v. I. ihr neues großes Missionshaus ein (Eimsbüttlerstraße 30- Das Haus trägt den Spruch Apg. 2, 36 in hebräischer Sprache. Eine Beschreibung der Einweihungsfeier g>ebt . Zions Freund," eine von der genannten Mission ins Leben gerufene, seit Anfang *899 erscheinende Zeitschrift, deren Herausgeber P. A. Frank ist, deren Losung ps. \22, 6 bildet, und deren Zusendung gegen Erstattung des Portos erfolgt. — Das in Bremen erscheinende Monatsblatt der Norddeutschen Missionsgesellschaft berichtete jüngst (*899, 5. 30) über die Judenmission in Vorderasien und knüpfte hieran folgende allgemeine Betrachtungen an: „Wenn schon noch lange nicht alle Christen Freunde der Heidenmission sind, so sind noch viel mehr der Judenmission abgeneigt. Das ist aber nicht nach dem Worte Gottes, was Paulus vom Evangelium sagt, daß es eine Rraft Gottes sei, selig zu machen die Juden und die Griechen, das gilt auch heute noch, und wenn es gilt, dann sind die, die das Evangelium haben, damit auch Schuldner der Juden. Paulus wußte, daß Israel Verstockung widerfahren sei, aber er hörte darum nicht auf, zu flehen für Israel, daß sie selig werden, und sich zu bemühen, ob er nicht ihrer etliche selig machen könne. Es ist erfreulich, daß doch manche evangelische Christen diesen Sinn sich bewahrt und um die Juden, die unter uns wohnen, und die, welche in der Welt zerstreut leben, sich bemüht haben. Sie sind oft getäuscht worden, aber wenn man die „etlichen" znsammenzählt, die im Lauf der Zeit gerettet und dann selbst Retter für andere wurden, so ist es doch eine stattliche Schar, und Arbeit und Mühe um